• Tote von Kassel vermutlich aus 19. Jahrhundert Auch Frauenskelette auf Gräberfeld entdeckt

Welt : Tote von Kassel vermutlich aus 19. Jahrhundert Auch Frauenskelette auf Gräberfeld entdeckt

Kassel - Nach dem Fund zahlreicher Skelette in der Kasseler Innenstadt hat die Untersuchung des Gräberfeldes durch einen Experten neue Erkenntnisse gebracht – doch das Rätsel der mysteriösen Skelette bleibt noch weitgehend ungelöst.

Der Gießener Rechtsmediziner Marcel Verhoff hat aber bei der Begutachtung von sieben der 60 Skelette in zwei Fällen die sterblichen Überreste von Frauen entdeckt. „Das muss die Kriegstoten-Theorie keinesfalls ausschließen. Aber sie wird weniger wahrscheinlich“, sagte der Experte für Liegezeitbestimmung. Klar sei aber, dass die Knochen älteren Datums seien: „Wir können einen für die Kriminalpolizei wichtigen Zeitraum der letzten fünfzig Jahre ausschließen.“ Auch bei der Polizei gibt es inzwischen erhebliche Zweifel an der anfangs favorisierten Theorie, dass es sich bei den Toten um Opfer des Bombenkrieges oder Zwangsarbeiter aus dem Zweiten Weltkrieg handelt.

Klarheit soll Verhoff schaffen, der zunächst in Kassel die Knochen begutachtete, die er später in Gießen untersuchen will. Eine komplizierte Arbeit, die mehrere Wochen dauern wird, erklärte sein Mitarbeiter Jonathan Krähahn: „Die Radiokarbonmethode ist sehr zuverlässig, aber erst bei einem Alter von 200 Jahren. Davor kann uns der Zahnstatus helfen, sowohl das Alter des Menschen als auch die Liegezeit zu bestimmen.“

Verhoff sagte, bei Massengräbern lägen die Knochen eigentlich kreuz und quer. „Dass die meisten hier parallel liegen, ist sehr ungewöhnlich.“ Die Zähne könnten zum wichtigsten Zeugen werden: „Als Mehl noch mit Mühlsteinen gemahlen wurde, war feiner Staub drin, und die Zähne nutzten schneller ab.“ Es spricht mittlerweile einiges dafür, dass die Toten aus dem 19. Jahrhundert stammen und Opfer einer Epidemie wurden oder in einem Lazarett starben, das vor 150 Jahren hier stand. „Aber Kampfhandlungen gab es zu der Zeit nicht, deshalb halte ich das für unwahrscheinlich“, sagt der Kasseler Regionalhistoriker Christian Bruno von Klobuczynski. Verhoff erwartet, dass neben den bislang geborgenen 60 Skeletten noch weitere gefunden werden. dpa

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