Welt : Tourismus und Umwelt: "Der Tourist zerstört, was er sucht"

Pauschalreisen sind nach Ansicht des Tourismusexperten Torsten Kirstges in der Umwelt-Verträglichkeit für die Ferienregionen besser als ihr Ruf. "So gibt es eine Kanalisierung von Reiseströmen in Bahnen, die klare Grenzen haben. Daher können negative Auswirkungen geringer sein als bei Individualurlaubern", sagte der Professor für Tourismuswirtschaft an der Fachhochschule Wilhelmshaven der dpa. Sanften Tourismus in Reinform könne es nicht geben, meinte Kirstges. "Das bedeutete: gar keinen Tourismus." Veranstalter und Urlauber sollten aber einen "sanfteren Tourismus" anstreben.

"Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet", beschrieb der Wissenschaftler die paradoxe Situation von Urlaubern auf der Suche nach möglichst unberührter Natur. Selbst wenn viele Einzelreisende etwa im Skiurlaub keine Liftanlagen mehr nutzten, sondern beispielsweise auf individuelle Schneewanderungen umstiegen, würde die Umwelt wegen der Masse der Touristen stark belastet. "Dies kann verheerender sein als die Konzentration auf einige Skigebiete", sagte Kirstges. Auch ein Flugzeug mit 250 Pauschalreisenden könne umweltfreundlicher sein als 250 Urlauber, die auf eigene Faust per Auto in die Ferien starteten.

Außer in die Umwelt greife der Tourismus auch in die sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten der Feriengebiete ein, sagte Kirstges. So würden Devisen eingeführt und Arbeitsplätze geschaffen, wobei für Einheimische aber teils nur unterqualifizierte Jobs entstünden. "Tourismus bewirkt häufig auch einen starken Preisanstieg in den Ländern, etwa bei Bauland und Verbrauchsgütern." Die Veranstalter sollten schon bei der Zusammenstellung der Reiseprodukte stärker auf sanftere Tourismusformen achten. Und auch die Urlauber seien gefordert. "Es wird immer kurzfristiger gebucht, und Hintergrund-Informationen über ein Land sind häufig nicht präsent."

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