Tourismus : Verwirrung um Russen-Quote in Kitzbühel

Der örtliche Tourismusverband Kitzbühel bestreitet, den Anteil russischer Gäste in dem Tiroler Nobel-Skiort auf zehn Prozent begrenzen zu wollen. Bei den entsprechenden Berichten müsse es sich um ein Missverständnis handeln.

Innsbruck/Moskau - Zuvor hatte der österreichische Rundfunk ORF berichtet, die Tourismusplaner hätten wegen des wachsenden Zustroms an superreichen, aber nicht immer dezenten russischen Feriengästen eine Zehn-Prozent-Grenze eingeführt. Mehr, so wurde die Direktorin der Fremdenverkehrszentrale Renate Danler zitiert, könne man nicht verkraften. Die österreichische Hoteliersvereinigung bezeichnete die Russen-Quote als "absurd und kurzsichtig".

Die österreichische Botschaft in Moskau bemühte sich, dem Eindruck entgegen zu wirken, Russen seien nicht willkommen. "Wir sind froh, dass immer mehr russische Touristen ins Land kommen", bekräftigte Botschaftssprecher Hannes Schreiber. Die Sprecherin des Verbandes der russischen Tourismusindustrie, Irina Tjurina, sagte: "In den österreichischen Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels gibt es Quoten für alle Länder." Für die neue Gruppe russischer Gäste sei die Quote erst jetzt eingeführt worden, das sei aber keine Diskriminierung.

Fürchtet der Nobel-Skiort um seinen Ruf?

Ungeachtet des offiziellen Dementis befürchtet die Tourismusbranche in Österreich, die zahlungskräftigen Urlauber aus dem Osten könnten finanzstarke Stammgäste aus anderen Ländern vergraulen. Im vergangenen Jahr war die Zahl der russischen und ukrainischen Touristen in der Alpenrepublik um rund 20 Prozent gestiegen. In den Skiorten Sölden und Mayrhofen stellten sie bereits die drittstärkste Nationalitätengruppe.

Neben den Superreichen kommen zunehmend auch Russen der gehobenen, städtischen Mittelklasse nach Österreich. Vor allem Städte wie Wien und Salzburg profitieren von diesem Trend. Wie die Kitzbüheler Hoteliers die diskutierte Russen-Quote umsetzen wollten, war zunächst nicht bekannt. Experten wiesen darauf hin, dass die meisten Buchungen heute über das Internet gemacht werden. Eine Begrenzung wäre so relativ einfach möglich. In Kitzbühel versammeln sich jedes Jahr zahlreiche Prominente und Wohlhabende auch aus Deutschland. Vor allem aus dem nahen München reisen viele Gäste an. (tso/dpa)

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