Welt : Touristen entführt: Geiseln gegen Söhne

Rüdiger Strauch

Vier deutsche Touristen sind am Montag in Ägypten einem Entführer in die Hände gefallen. Der 32-Jährige brachte die männlichen Geiseln nahe Luxor in seine Gewalt und bedroht sie seitdem mit einer Handfeuerwaffe. Der Reiseführer hat die Touristen als Geiseln genommen, um seine geschiedene deutsche Frau zur Herausgabe der beiden gemeinsamen Söhne zu zwingen. Die vier Männer sind nach Angaben ägyptischer Sicherheitskreise vom Dienstag bereits am Montag entführt worden. Sie sollen in Esna nahe Luxor festgehalten werden. Ihnen geht es nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin den Umständen entsprechend gut. Identität und Herkunft der Geiseln wurden nicht bekannt gegeben.

Nach Angaben des Sprechers des Auswärtigen Amtes in Berlin, Andreas Michaelis, handelt es sich bei dem Entführer um einen Einzeltäter, der mit einer Handfeuerwaffe und "granatenartigen Gegenständen" bewaffnet sei. Sowohl die deutschen wie auch die ägyptischen Behörden hätten seit Montag telefonischen Kontakt mit ihm. Auch mit den vier Geiseln sei gesprochen worden, sagte der AA-Sprecher.

Hintergrund der Tat ist ein Familiendrama. Der Geiselnehmer verlangt die Rückkehr seiner beiden Söhne nach Ägypten. Die Mutter habe im Januar von einem deutschen Gericht das vorübergehende Aufenthaltsbestimmungsrecht für die beiden Kinder erhalten, sagte Michaelis. Die Bundesregierung stehe auch mit ihr in Kontakt.

Im Außenministerium wurde sofort ein Krisenstab eingrichtet. Über den Hergang der Geiselnahme gab es keine Informationen. Die ägyptischen Behörden bestellten alle Reiseführer aus Luxor ein, um von ihnen Informationen über das Versteck zu erhalten. Der Geiselnehmer soll nach Angaben der Deutschen Presseagentur Ibrahim Ali Said Mussa heißen. Er arbeite als Reiseführer bei einer Firma namens Cairo Express. Das Paar habe 1991 in Ägypten geheiratet und bis zur Scheidung 1999 im Norden des Landes gelebt. Nach der Scheidung sei die Mutter mit den heute sieben und drei Jahre alten Jungen nach Deutschland zurückgekehrt.

Der Entführer soll fließend Deutsch sprechen. Er gilt als psychisch instabil. Im islamischen Ägypten kann ein geschiedener moslemischer Vater darauf bestehen, dass ihm die Söhne im Alter ab 12 und die Töchter ab 14 Jahren von der Mutter übergeben werden. Der Geiselnehmer bekräftigte am Dienstag noch einmal seine Forderung. Niemand werde die Entführten jemals wiedersehen, bevor seine Kinder nicht auf dem Flughafen von Luxor eingetroffen seien. Wegen der Geiselnahme hat Außenminister Fischer am Dienstagmorgen mit seinem ägyptischen Amtskollegen telefoniert. Das Auswärtige Amt (AA) entsandte zudem den Nahost-Beauftragten der Bundesregierung und einen Vertreter des Bundeskriminalamtes nach Kairo.

Fischer habe nach Rücksprache mit Bundesinnenminister Schily Kairo zudem angeboten, die Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes, die GSG 9, nach Ägypten zu entsenden. Auf dieses Angebot seien die Ägypter aber nicht eingegangen. Die ägyptischen Behörden hätten versichert, dass das Leben der Geiseln Priorität habe.

Die GSG 9 war 1977 durch eine spektakuläre Geiselbefreiung eines von Terroristen nach Mogadischu entführten Flugzeuges bekannt geworden. (mit dpa)

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