Transrapid-Unglück : Ermittlungen bestätigen menschliches Versagen

Knapp zwei Wochen nach dem Unglück ist die Staatsanwaltschaft Osnabrück nach den bisherigen Ermittlungen davon überzeugt, dass menschliches Versagen zu dem Unfall auf der Teststrecke geführt hat.

Lingen - Nach Auswertung des Funkverkehrs gingen die Ermittler davon aus, dass die beiden Mitarbeiter in der Leitstelle den Servicewagen auf der Strecke vergessen hätten, sagte Behördensprecher Alexander Retemeyer am Mittwoch in Lingen. Diesen Verdacht habe ein Mitarbeiter der Leitstelle bereits kurz nach dem Aufprall ausgesprochen. "Der Fehler liegt in der Leitstelle", sagte Karl-Heinz Brüggemann von der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim.

Gegen die beiden Mitarbeiter der Leitstelle werde wegen fahrlässiger Tötung in 23 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in zehn Fällen ermittelt, sagte Retemeyer. Beide hätten dem Transrapid-Fahrzeugführer grünes Licht für die manuelle Fahrt gegeben, obwohl das tonnenschwere Servicefahrzeug auf der Strecke noch nicht wegrangiert war. Warum der Fahrzeugführer den "scheunentorgroßen" Wagen auf der Strecke nicht gesehen und nicht rechtzeitig gebremst habe, sei unklar. Er habe sogar über den Funkverkehr von dem Servicewagen gewusst. Warum er losgefahren sei, könne nicht mehr in Erfahrung gebracht werden, sagte Brüggemann. Der Lokführer war bei dem Unfall ums Leben gekommen.

Die beiden Mitarbeiter aus der Leitstelle wurden bislang noch nicht befragt, weil sie noch nicht vernehmungsfähig sind. Bei einer Verurteilung müssen die beiden Beschuldigten nach Angaben von Retemeyer mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Neun der insgesamt zehn Verletzten seien bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte Brüggemann. (tso/ddp)

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