Transsexualität : Wenn die Mutter ein Vater ist

Als Frau geboren, zum Mann umgewandelt und jetzt schwanger - beim US-amerikanischen Transsexuellen Thomas Beatie ist alles ein wenig anders als bei gewöhnlichen werdenden Eltern. Und trotzdem wünscht er sich gemeinsam mit seiner Frau Nancy nur eines: eine ganz normale Familie.

Washington Es ist ein wenig kompliziert: Ein amerikanischer Transsexueller aus dem Bundesstaat Oregon, der nach eigenen Angaben als Frau geboren und nach einer teilweisen Geschlechtsumwandlung zum Mann wurde, ist schwanger geworden. Er sei im fünften Monat und überglücklich, sagte der 34 Jahre alte Thomas Beatie dem Schwulenmagazin "The Advocate". "Wie es sich anfühlt, als Mann schwanger zu sein? Unglaublich", antwortete er. Der Schwangere, der nach einer künstlichen Befruchtung in guter Hoffnung ist, lebt nach eigenen Angaben mit seiner Ehefrau Nancy zusammen. "Ich werde der Vater meiner Tochter sein, Nancy die Mutter. Eine normale Familie", sagte er.

"Die gleichen Organe wie eine Frau"

US-Medien berichteten in großer Aufmachung über den Fall. "Ein transsexueller Mann kann schwanger werden, weil er die gleichen Organe hat wie eine Frau", erklärte eine Geburtshelferin aus Los Angeles dem TV-Sender ABC. Als er noch eine Frau war, hatte sich Beatie vor mehreren Jahren die Brüste entfernen lassen und eine Therapie mit dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron begonnen. Vor dem Gesetz gelte er seitdem als Mann, bekräftigt der Schwangere. "Mal davon abgesehen, dass in mir ein Leben heran wächst, geht es mir gut und ich bin überzeugt, ein Mann zu sein". Die Eierstöcke und die Gebärmutter ließ sich Beatie bei der Geschlechtsumwandlung allerdings nicht entfernen - deshalb kann der "neue Mann" jetzt auch ein Kind austragen.

Der Weg zur "männlichen Schwangerschaft" war steinig: Zunächst musste Beatie seine Testosteron-Therapie abbrechen. Acht Jahre hatte er das männliche Hormon, das seinen weiblichen Zyklus unterdrückte, zu sich genommen. Das Aussetzen der Therapie sei „keine leichte Entscheidung“ für ihn als Transsexuellen gewesen. Doch vier Monate nach Ende der Therapie habe seine Menstruation wieder begonnen. Nun konnte der Mann Beatie schwanger werden.

Der Vater springt als Mutter ein

Eigentlich hatte das Ehepaar den Weg zum Kinderglück anders geplant. Doch nach einer "Totaloperation" bei Ehefrau Nancy, mit der Beatie seit zehn Jahren in einer festen Beziehung zusammen lebt, war klar, dass sie keine Kinder bekommen kann. Daher haben man sich das Paar zur "männlichen Schwangerschaft" entschlossen.

Zugleich beklagt sich Beatie über Schwierigkeiten, einen Arzt zu finden, der das Paar unterstütze. "Wir wurden diskriminiert und von manchen Fachleuten sogar verspottet." Ein Arzt habe die Behandlung nach ein paar Monaten sogar einfach abgebrochen. "Ein eigenes Kind zu haben, ist weder ein männlicher noch ein weiblicher Wunsch - es ist ein menschlicher Wunsch."

Nicht der erste Fall

Beatie sei nicht der erste transsexuelle Mann, der schwanger geworden sei, sagte die Geburtshelferin Lisa Masterson vom Cedars-Sinai Krankenhaus. Trotzdem seien Schwangerschaften bei transsexuellen Männern mit besonderen Gesundheitsrisiken verbunden. Wichtig sei vor allem, dass in der Schwangerschaft keine Testosterone eingenommen werden.

"Das könnte männliche Charakteristiken beim weiblichen Baby hervorrufen", sagte die Hebamme. Für Beatie handelt es sich nach seinen Worten bereits um die zweite Schwangerschaft. Beim ersten Mal sei er sogar mit Drillingen schwanger gewesen, nach einer "lebensbedrohlichen Situation" habe er die Kinder aber verloren. Diesmal verlaufe dagegen bisher alles ohne Komplikationen, sagte Beatie. Das Baby soll im Juli zur Welt kommen. (mfa/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben