Trauer um Ägypterin : Weiße Rosen für Marwa

Demonstration gegen Rassismus: In Dresden haben 1500 Menschen der in einem Gerichtssaal erstochenen Ägypterin Marwa El-Sherbini gedacht. Auch in Teheran gab es Proteste.

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Trauernde haben weiße Rosen niedergelegt. -Foto: dpa

DresdenDie Trauerfeier für die von einem 28-jährigen Russlanddeutschen niedergestochene ägyptische Frau war vom Ausländerrat, Kirchen und der Stadt organisiert worden. Sie sollte zugleich ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. An der Kundgebung nahmen auch SPD-Chef Franz Müntefering und der ägyptische Botschafter Ramsi Ess Eldin Ramsi teil.

Viele von denen, die gekommen waren, Deutsche genauso wie Muslime,  trugen weiße Rosen als Zeichen der Trauer und Mahnung. Auf Plakaten stand unter anderem "Wir sind gegen Terror, stoppt die Hetze gegen den Islam". Danach legten die Teilnehmer, ebenso wie Müntefering und der Botschafter, die Rosen vor einem Foto der erstochenen Frau nieder.

Botschafter Ramsi sagte, El-Sherbini sei ein Opfer von blindem Hass und Fanatismus geworden, die ihre Quelle in der Ignoranz hätten. Ramsi sprach von einer "verbrecherischen Einzeltat", die nicht die Wirklichkeit der deutschen Gesellschaft zum Ausdruck bringe. "Die deutsche Gesellschaft ist weltoffen, offen für andere Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen." Er erwarte, dass der Täter schnellstens verurteilt und die Familie des Opfers entschädigt werde.

Nabil Yacoub vom Dresdner Ausländerrat forderte: "Lasst die Saat des Extremismus nicht aufgehen." El-Sherbini habe "im Glauben an den Rechtsstaat mit Zivilcourage die Würde der muslimischen Frauen verteidigt".

Müntefering mahnte politische Konsequenzen an: "Wir müssen dafür sorgen, dass Rechtsextreme und Rassisten verboten werden und keine Chance mehr haben, sich in Parteien zu organisieren." Deutschland trauere um Marwa El-Sherbini. Ihr Tod verpflichte, noch stärker darauf zu achten, dass ein respektvolles Zusammenleben von Menschen aller Nationen, Hautfarbe und Glaubens möglich sei.

Täter war ausländerfeindlich

Die 31-Jährige Apothekerin war am 1. Juli während einer Berufungsverhandlung wegen Beleidigung von dem Angeklagten erstochen worden. Der aus Russland stammende Deutsche hatte die schwangere Zeugin, die ein Kopftuch trug, mit 18 Messerstichen getötet und ihren Ehemann schwer verletzt. Sie hatte den Mann 2008 angezeigt, nachdem er sie auf einem Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft hatte.

Gegen den 28-Jährigen wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Er war schon im ersten Prozess ausländerfeindlich aufgetreten, bestätigte am Samstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Avenarius. Der Täter soll Verbindungen zur NPD haben.

Gegen den Mann soll in einigen Monaten Anklage erhoben werden. Vorher will die Staatsanwaltschaft keine weiteren Details nennen. Der Prozess werde voraussichtlich Ende 2009 oder Anfang 2010 stattfinden. Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) sagte: "Es
wird alles getan, um den Täter so schnell wie möglich vor einen Richter zu stellen."

Der Zentralrat der Muslime forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein deutliches Signal gegen Islamfeindlichkeit in
Deutschland. Sie möge sich "auch bitte direkt an die mehr als vier Millionen Muslime hierzulande wenden und den brutalen rassistischen Mord aus islamfeindlichen Motiven verurteilen", sagte Generalsekretär Aiman Mazyek dem Tagesspiegel am Sonntag.

Versteckte und offene Islamphobie existiere in Deutschland bereits seit längerem, sagte Mazyek in Dresden. "Die Tat des Kopftuchmörders offenbart nur eine neue Dimension."

In Teheran protestierten regierungstreue iranische Studenten gegen den Umgang mit Muslimen in der Bundesrepublik. Vor der deutschen Botschaft versammelten sich am Vormittag etwa 70 Menschen, um ihren Unmut über die Tat kundzutun. In einem Leitartikel forderte die erzkonservative Tageszeitung Kejhan die Ausweisung aller deutschen Botschafter in der islamischen Welt.

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