Trauerarbeit im Zwiegespräch : Titisee-Neustadt gedenkt der Brandopfer

Titisee-Neustadt gedenkt der 14 Opfer der Brandkatastrophe in einer Behindertenwerkstatt. Bundespräsident Joachim Gauck kam auch und spendete Trost.

14 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem Altar. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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01.12.2012 17:4714 Kerzen für die 14 Todesopfer stehen am Sonnabend nach der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt bei der Trauerfeier vor dem...

Vorn am Altar des Münsters St. Jakobus von Titisee-Neustadt werden 14 Kerzen entzündet. Jedes Mal, wenn eine Kerze zu brennen beginnt, wird ein Name verlesen. Jede Kerze, jeder Name steht für einen Toten. Im Hintergrund läutet die tiefste Glocke der Kirche, die Jakobusglocke. Mit einem ökumenischen Gottesdienst hat die Kleinstadt am Samstag der 14 Toten des Feuerdramas in einer Behindertenwerkstatt gedacht. Die Trauerfeier in der örtlichen Kirche, fünf Tage nach dem verheerenden Brand, wird zum bewegenden Zeugnis der menschlichen Hilflosigkeit und des Schmerzes.

Den Trauernden stehen Tränen in den Augen. Viele, die hier in der Kirche um Fassung ringen, haben bei dem Feuer am Montag Freunde, Verwandte oder Arbeitskollegen verloren. „Die Last der Trauer ist groß. Die Bürde des Unglücks droht uns niederzudrücken“, sagt Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch in seiner Predigt. In den nüchternen Holzbänken der Kirche sitzen Behinderte, Betreuer, Rettungskräfte. Sie stehen im Mittelpunkt der Feier, mit denen die kleine Gemeinde Abschied von den Toten nimmt.

Bundespräsident Joachim Gauck hat in dem Gotteshaus in der ersten Reihe Platz genommen. Aufs Podium während der öffentlichen Trauerzeremonie, die live im Fernsehen übertragen wird, möchte er nicht. Er sieht sich als einer der vielen Trauernden, als Mitglied der Trauergemeinschaft. Er will als stiller Zuhörer und Ratgeber vor Ort sein. Erst später, als die Kameras ausgeschaltet sind, ergreift er das Wort, richtet sich in persönlichen Worten an die Trauernden. Der Bundespräsident zeigt sich von dem Unglück tief getroffen. Gauck bekennt: Er hatte Angst, an den Ort des tödlichen Feuerdramas zu fahren. Im Nachhinein sei er dankbar dafür, weil er während des Gottesdienstes in seiner Trauer und menschlichen Not in der Gemeinschaft Halt gefunden habe. Gauck, früher Pastor und Kirchenfunktionär, spendet in bewegender Weise Trost. Er vermittelt Mitgefühl und Anteilnahme.

„Es ist ein schwerer Weg, den wir zu beschreiten haben“, sagt er. „Wir sollten ihn gemeinsam gehen.“ Er spricht mit Angehörigen und Betroffenen. Einige von ihnen nimmt er in den Arm, er lässt Nähe zu und ist ansprechbar. Das alles geschieht unter Ausschluss der größeren Öffentlichkeit. Darauf habe der Bundespräsident in den Planungen der Trauerfeier wert gelegt, sagen die Organisatoren. (dpa)

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