Trockenheit und Dürre : Kalifornien muss sparen - am Wasser

Nach dem vierten extrem regenarmen Sommer in Folge ist das Wasser knapp in Kalifornien. Jetzt führt der US-Bundesstaat eine neue Art Hitliste ein - über Wasserverschwender und Wassersparer. Viele der größten Sünder leben in Beverly Hills.

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Ausgetrocknet wie so viele andere Flüsse und Seen in Kalifornien: der Guadalupe River in San Jose.
Ausgetrocknet wie so viele andere Flüsse und Seen in Kalifornien: der Guadalupe River in San Jose.Foto: picture alliance / dpa

In Susanville leben 8978 Menschen. Dreimal in der Woche darf in der kleinen Stadt im äußersten Nordosten Kaliforniens der Rasen gewässert werden. Wer in einem Haus mit gerader Hausnummer wohnt, kann am Montag, am Donnerstag und am Samstag den Wasserhahn aufdrehen. Die Menschen in den Häusern mit ungeraden Nummern sind dienstags, freitags und sonntags an der Reihe. „Kein Wässern am Mittwoch“, erklärt die Stadtverwaltung von Susanville. Hier, unterhalb des Lassen Vulkan Nationalparks, ist kein Wasser für grüne Wiesen übrig, zumindest theoretisch.
Denn die Idee mit dem Wassersparen ist noch nicht bei allen angekommen. Pro Kopf und Tag verbrauchen die Bewohner von Susanville 880 Liter Wasser. In Deutschland sind es 120, in den USA landesweit 295 Liter. Und selbst der durchschnittliche Wasserverbrauch je Einwohner in Kalifornien summiert sich auf „nur“ 367 Liter täglich. Susanville findet sich in der aktuellen Statistik der Wassersünder deshalb ganz oben auf der Skala.
In Kalifornien ist eine neue Branche der Statistik ganz groß im Kommen: Die Rangfolge der Wassersünder – und der Wasser-Musterschüler. Um der katastrophalen Trockenheit zu begegnen, hat der Gouverneur des US-Bundesstaates, Jerry Brown, eine strikte Sparpolitik angeordnet. Der städtische Wasserverbrauch muss um 25 Prozent gesenkt werden. Je nach Stand ihres aktuellen Verbrauchs wurden einzelnen Städten aber Kürzungen zwischen vier und sechsunddreißig Prozent auferlegt. Jetzt im Herbst ist der Gesamtverbrauch Kaliforniens schon um 26 Prozent im Vergleich zu 2013 gesunken. Daran haben die kalifornischen Städte aber unterschiedlichen Anteil.


Susanville ist der Ort mit der 36-Prozent-Auflage. Mit gerade mal einem Prozent, um das die Menschen in Susanville ihren Verbrauch gesenkt haben, verfehlt der Ort das große Ziel. Calexiko, ganz im Süden Kaliforniens, 41033 Einwohner, hat seinen Wasserverbrauch nach der aktuellsten Statistik mit 788 Millionen Liter sogar noch erhöht, und verfehlt seine Vorgabe damit deutlichst.
Auch der autonomen Stadt Beverly Hills, am Rande von Los Angeles, drohen jetzt Bußgelder. Wie die „LA Times“ berichtet, verfehlt Beverly Hills die Vorgabe ebenfalls deutlich. Er sei sicher, sagt der Chef der Behörde, die den Wasserverbrauch kontrolliert, Cris Carrigan, dass es Wassernutzer in Beverly Hills gebe, die „sehr gewissenhaft sind und ihren Teil beitragen“. Zu denen, die das nicht tun, sage er: „Sie sollten sich schämen.“ Die Stadtverwaltung schrieb in einer Stellungnahme, man sei „sehr besorgt“ und entschlossen, die Einhaltung der Anweisung zu forcieren. Geldstrafen seien aber gerade erst – im November – eingeführt worden.
Die Wassersünder leben, so erzählen es zumindest die Bewohner der Stadt, hauptsächlich in den Hügeln im Norden von Beverly Hills. Dort stehen die Villen der Reichen und Schönen Hollywoods. Hinter hohen Zäunen sind Rasenflächen nur rar sichtbar. Im Rahmen der Sparanordnung können diejenigen, die die Vorgaben verletzen, nun mit bis zu 500 Dollar pro Tag bestraft werden. Reagiert jemand auch nicht auf eine Mahnung, drohen bis zu 10000 Dollar Strafe pro Tag.

Wasserverschwender werden mit Bußgeldern
von bis zu 10.000 Dollar täglich bestraft

Kalifornien hat eine Internetseite eingerichtet, auf der man Wasserlecks genauso melden kann wie Wasserverschwender. Und während manche noch illegalerweise ihre Grünflächen wässern, geht anderen Familien in Kalifornien inzwischen das Trinkwasser aus. Die Regierung hat für diese Familien ein Elf-Millionen-Dollar-Programm aufgelegt. Die Trockenheit heißt für die Menschen auch, dass Spinnen, Käfer oder Ameisen auf der Suche nach Wasser in die Häuser kommen. Ihnen folgen in manchen Gegenden Klapperschlangen auf der Suche nach Futter. Die Preise für heimisches Gemüse und Obst sind extrem gestiegen, grasgefüttertes Rindfleisch ist ausgegangen und wild lebende Tiere sind im ganzen Land gefährdet. Die Umweltbehörde muss ganze Fischbestände umsetzen, die Flüsse und Seen überhitzen, es fehlt der Kaltwassernachfluss aus den Bergen. Die Gefahr für Waldbrände ist enorm hoch.
Menlo Park mit seinen 16600 Einwohnern liegt im Süden von San Francisco. Die Sparvorgabe der Wasserkontrolle Kaliforniens lag bei 16 Prozent, Grünflächen dürfen sogar nur zweimal die Woche gewässert werden. Menlo Park ist Primus unter den Wassersparern Kaliforniens. Mit 308 Millionen Liter hat die Stadt im Vergleich zum Jahr 2013 sogar 56 Prozent weniger Wasser verbraucht.

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