Trotz internationaler Proteste : Troy Davis in USA hingerichtet

Im US-Bundesstaat Georgia ist der wegen Polizistenmordes verurteilte Afroamerikaner Troy Davis mit einer Giftspritze getötet worden. Er hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. Weltweit gab es Gnadenappelle.

Too much doubt - zuviele Zweifel, steht auf dem Plakat der Davis-Anhänger. Es ist einer der umstrittensten Justizfälle der USA.Alle Bilder anzeigen
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22.09.2011 12:17Too much doubt - zuviele Zweifel, steht auf dem Plakat der Davis-Anhänger. Es ist einer der umstrittensten Justizfälle der USA.

Ungeachtet weltweiter Gnadenappelle ist der wegen Mordes verurteilte Afroamerikaner Troy Davis hingerichtet worden. Der 42-Jährige wurde am Mittwochabend um 23.08 Uhr Ortszeit (Donnerstag, 05.08 Uhr MESZ) in einem Gefängnis in Jackson im US-Bundesstaat Georgia mit einer Giftspritze getötet, wie die Gefängnisverwaltung mitteilte. Zuvor hatte das Oberste Gericht der USA einen Antrag auf den Stopp der Hinrichtung abgelehnt.

Die Verteidiger hatten sich am Mittwoch zunächst an die Justiz in Georgia gewandt, um unter Verweis auf neue Beweise zur Entlastung ihres Mandanten den Stopp der Hinrichtung zu erreichen. Nachdem die Gerichte den Antrag abwiesen, riefen die Verteidiger den Supreme Court in Washington an - weniger als anderthalb Stunden vor der für 19.00 Uhr (Ortszeit) geplanten Hinrichtung. Das Gefängnis wartete die Entscheidung der neun Richter ab, die den Antrag gegen 22.30 Uhr schließlich ebenfalls abwiesen.

Zeugen: Wurden von der Polizei zu Aussagen gezwungen

Nach Angaben von Augenzeugen beteuerte Davis noch kurz vor seinem Tod seine Unschuld. Der Mord an dem Polizisten Mark MacPhail 1989 „war nicht meine Schuld, ich hatte keine Waffe“, sagte er laut einer Journalistin. „An die, die mir das Leben nehmen wollen, möge Gott Euch segnen.“ Davis war 1991 wegen der Erschießung des 27-jährigen weißen Polizisten und Familienvaters zum Tode verurteilt worden. Sein Fall gilt als einer der umstrittensten Justizfälle der USA. Eine Tatwaffe, DNA-Spuren oder Fingerabdrücke, die auf ihn als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Sieben von neun Zeugen, die ihn als Täter genannt hatten, zogen ihre Aussagen zurück.
Einige von ihnen sagten, sie seien von Polizisten zu den Aussagen gezwungen worden.

Vor dem Gefängnis in Georgia harrten am Mittwoch hunderte Unterstützer aus. Nachdem zwischenzeitlich Hoffnung aufkam, das Oberste Gericht würde die Hinrichtung stoppen, wurde die Menge nach der Entscheidung der Richter still. Verwandte von Davis schmiegten sich aneinander und weinten. „Das ist eine Gräueltat. Niemand kann einen Menschen ohne handfeste Beweise hinrichten, es gibt nur Augenzeugen“, sagte der Menschenrechtsaktivist Al Sharpton.

Die Mutter des getöteten Polizisten, Anneliese MacPhail, kritisierte im Sender CNN die Verzögerung der Hinrichtung. Sie sei „völlig am Boden zerstört“, an Davis' Schuld bestehe kein Zweifel.

Davis' Hinrichtung war bereits drei Mal verschoben worden. Im August 2009 hatte der Oberste Gerichtshof ein Bundesgericht beauftragt, den Fall neu aufzurollen. Obwohl sieben der neun Zeugen ihre Aussagen zurückzogen, bestätigte das Gericht im August 2010 das Todesurteil. Im März 2011 scheiterte Davis mit einem letzten Berufungsversuch vor dem Obersten Gerichtshof. Am Dienstag lehnte der Begnadigungsausschuss in Georgia einen Antrag ab, die Todesstrafe umzuwandeln.

US-Präsident Barack Obama lehnte eine Einmischung in den Fall am Mittwoch ab, wie sein Sprecher mitteilte. Es obliege nicht dem Präsidenten, sich in einen so speziellen Fall einzumischen, es sei Sache des Bundesstaates.

Davis hatte nicht nur die Unterstützung zahlreicher Afroamerikaner, die in ihm den typischen Fall eines zu Unrecht beschuldigten Schwarzen sahen, sondern auch von bekannten Persönlichkeiten. So setzte sich der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter ebenso für sein Schicksal ein ein wie Papst Benedikt XVI. und US-Schauspielerin Susan Sarandon. Frankreich bedauerte die Hinrichtung und bekräftigte seine Ablehnung der Todesstrafe, wie das Außenministerium in Paris am Donnerstag mitteilte. (AFP)

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