Welt : Trouble um Harry

Hendrik Bebber

Die Briten sind schockiert: Prinz Harry (17), jüngster Sohn von Thronfolger Prinz Charles und Prinzessin Diana, hat Drogen genommen. Die Nachricht, dass der Teenager und Eton-Zögling häufig zu Haschisch gegriffen und "stark" getrunken habe, traf das Land wie ein Schlag. Das Königshaus bestätigte ohne Umschweife einen sechsseitigen Bericht über den Drogenflirt des jungen Prinzen in der Sonntagszeitung "News of the World." Es hofft damit wohl auch, für die Erfahrungen Harrys das Verständnis ähnlich geplagter Eltern zu gewinnen, hieß es in Kommentaren am Sonntag. Nach einer Erklärung von Prinz Charles (53) wurde das "ernste Problem innerhalb der Familie gelöst und liegt jetzt in der Vergangenheit".

Die Briten sind schockiert, obwohl viele Familien damit konfrontiert sind, dass ihre Kinder nach elterlichem Vorbild Alkohol trinken. Auch der Konsum von Cannabis ist sehr weit verbreitet.

Als erster bescheinigte Premierminister Tony Blair dem allein erziehenden Thronfolger, dass er mit Harrys Problem "absolut richtig" umgegangen sei. Prinz Charles hatte seinen jüngsten Sohn nach dessen Drogen-Geständnis im vergangenen Sommer für einen Tag in eine Londoner Entzugsklinik geschickt, um ihm in Gesprächen mit früheren Kokain-und Heroin-Süchtigen die Folgen des Drogenkonsums vor Augen zu führen. "Es ist eine schwierige Situation, ich weiß das aus eigener Erfahrung", sagte Blair. Sein ältester Sohn Euan war im Sommer 2000 als 16-Jähriger betrunken auf dem Leicester Square aufgefunden worden.

Wie er Frauen lockt

Als "kluger und liebender Vater", so schrieb die "News of the World" am Sonntag, sei Prinz Charles nicht etwa "wütend explodiert", sondern habe seinen Sohn, im Gespräch aufzuklären versucht. Der zwei Jahre ältere Prinz William habe dabei einen "maßgeblichen Einfluss" auf Harry ausgeübt.

Nach Ansicht von Beobachtern dürfte es aber zweifelhaft sein, dass sich der Skandal um Harry nach dem ersten Schock bald legt. "Nur wenige Eltern sind in der Lage, sich wie Prinz Charles an private Hilfseinrichtungen zu wenden", sagte Peter Martin von der Organisation "Addiction."

Die ausführlichen Informationen, die ein nicht näher genannter "Freund der Familie" der Sonntagszeitung gab, zeichnen von Harry das Bild eines verwöhnten, rüpelhaften Sprösslings aus privilegiertem Haus. So habe er nach Trinkgelagen in einem Pub in Wiltshire regelmäßig Frauen mit dem Spruch gelockt: "Hast Du Lust, auf einen Drink in meinen Palast zu kommen?" Im Partykeller "Club H", den Prinz Charles auf seinem Landsitz Highgrove speziell für seine beiden Söhne einrichten ließ, sei es dann häufig "hoch her gegangen".

In dem nahe gelegenen Pub "Rattlebone Inn" soll Harry im letzten Sommer in "schlechte Gesellschaft" geraten sein und erstmals Haschisch geraucht haben. Sein Vater ließ ihn damals wegen Auslandsreisen häufig allein. "Wir haben hier wilde Zeiten mit Harry erlebt", sagte ein 53 Jahre alter Gast der "News of the World."

Harry soll aber schon vor dem Teenageralter Bekanntschaft mit Zigaretten und Alkohol gemacht haben. Auf Kreuzfahrten vor der griechischen Küste habe er schon mit 11 oder 12 Jahren Zigaretten geraucht. In der Gesellschaft von Gleichaltrigen und von den Erwachsenen ungestört, hätten die Kinder an Bord der Luxusjacht des Charles-Freundes und griechischen Millionärs John Latsis uneingeschränkt Zugang zu harten Getränken gehabt. "Sie betranken sich mit Wodka und Tequila. Alle Kinder tranken", berichtete die Zeitung unter Berufung auf ihren Informanten. "Der Unterschied bei Harry war, dass das Trinken auch nach den Ferien weiterging. Der Junge konnte einfach nicht aufhören", schrieb das Blatt. "Mit 14 war er außer Kontrolle." Ein Jahr zuvor hatte Harry seine Mutter verloren.

Charles Kennedy, der Vorsitzende der liberaldemokratischen Partei, sieht die Affäre um Prinz Harry gelassener: "Es ist eine Geschichte, die nur allzu typisch für unsere Zeit ist. Familien im ganzen Land lesen sie, weil sich das Gleiche bei ihren eigenen Teens zugetragen hat oder weil sie fürchten, dass es sich bald ereignen wird." Kennedy hofft, dass der Vorfall die Debatte um die Legalisierung von Marihuana beschleunigt. Einen ersten Schritt dazu machte die Britische Regierung letztes Jahr, in dem der persönliche Besitz und Verbrauch von Cannabis nicht mehr automatisch strafrechtlich verfolgt wird. Soziologen und Gesundheitsorganisationen machen sich über Marihuana jedoch weitaus weniger Sorgen, wie um den alarmierenden Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen, die mit als Hauptursache für die zunehmende Gewalt und Kriminalität in dieser Altersgruppe gilt.

Im Umfeld von Harry und seinem älteren Bruder William hatte es in der Vergangenheit mehrere Fälle von Drogen und Alkoholmissbrauch gegeben. Nicholas Knatchbull, einer von Charles Patenkindern und Mentor von William in Eton, wurde in einer Drogenklinik behandelt. Tom Parker Bowles, ein weiteres Patenkind von Charles, wurde des Kokainkonsums überführt, seine Kusine Emma Parker Bowles wegen Alkohol- und Drogenabhängigkeit in einer Klinik behandelt.

Charles selbst hatte im Alter von 14 Jahren für Schlagzeilen gesorgt, als er mit Freunden in einer Bar einen "Cherry Brandy" bestellte. Der Buckingham Palace hatte Berichte über den Vorfall lange entschieden dementiert, dann jedoch bestätigt.

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