• Tsunami in Südasien: Schweigeminuten und Gebete zum Jahrestag der Katastrophe

Tsunami in Südasien : Schweigeminuten und Gebete zum Jahrestag der Katastrophe

Mit Gebeten, Schweigeminuten und Zeremonien haben am Jahrestag der Tsunami-Katastrophe zehntausende Menschen rund um den Indischen Ozean der mehr als 220.000 Opfer gedacht.

Banda Aceh/Phuket/Colombo - In der indonesischen Provinz Aceh hielten Trauernde am Montag um 8.16 Uhr Ortszeit (2.16 Uhr MEZ) inne, als eine Sirene zu genau dem Zeitpunkt heulte, an dem die Flut vor einem Jahr das Land erreichte. Tausende von Einheimischen und Ausländern kamen in Thailand zusammen, um gemeinsam an die Toten zu erinnern. Auch in Sri Lanka und Indien beteten zahlreiche Menschen in religiösen Zeremonien für die Opfer der Flut, bei der auch 537 Deutsche starben.

Am schwersten wurde bei der Jahrhundertkatastrophe vom 26. Dezember 2004 der Norden der indonesischen Insel Sumatra getroffen, wo schätzungsweise 170 000 Menschen starben. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hob bei einer Gedenkzeremonie nahe dem Meer die Entschlossenheit der Überlebenden zum Neuanfang hervor. «Sie erinnern uns daran, dass das Leben schön und es den Kampf wert ist», sagte der Staatschef. Anschließend besuchte Yudhoyono ein Massengrab, in dem rund 47 000 Tote beerdingt wurden.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte in einer Videobotschaft, die während der Zeremonie in Banda Aceh gezeigt wurde, die Katastrophe sei «so brutal, so schnell und so umfassend gewesen, dass es uns immer noch schwer fällt, sie ganz zu begreifen». Zugleich habe sie aber auch ein beispielloses, weltweites Echo ausgelöst. Der UN- Sonderbeauftragte zur Bewältigung der Tsunamifolgen, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, sagte ebenfalls in einer aufgezeichneten Botschaft, dass beim Wiederaufbau schon einiges geschehen sei. Es müsse allerdings «noch viel mehr» getan werden.

Zu den Feierlichkeiten in Thailand waren zahlreiche Angehörige von ausländischen Touristen - darunter auch viele Deutsche - angereist, die von den Flutwellen getötet worden waren. Etwa die Hälfte der nach offiziellen Angaben rund 5400 Todesopfer in Thailand waren westliche Urlauber. Der thailändische Regierungschef Thaksin Shinawatra dankte allen in- und ausländischen Helfern, die sich «leidenschaftlich und in Selbstaufopferung» um die Betroffenen gekümmert hätten.

In Sri Lanka kamen die Menschen zu christlichen, hinduistischen buddhistischen und muslimischen Gottesdiensten zusammen. Überlebende versammelten sich an Massengräbern, wo ihre Familienmitglieder begraben liegen. Um 9.32 Uhr Ortszeit, als vor einem Jahr die Welle eintraf, stoppte der Verkehr landesweit, und die Menschen hielten für zwei Schweigeminuten inne. Die zentrale Gedenkfeier fand in Pereliya im Süden des Inselstaats statt, wo die Flutwellen einen vollbesetzten Expresszug aus den Gleisen geworfen und in nahe Häuser gespült hatten. Bei dem schwersten Zugunglück der Geschichte waren mehr als 1200 Menschen getötet worden.

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse rief seine Landleute zur Einheit auf. «Die Katastrophe hat uns die schmerzvolle, aber wichtige Lektion erteilt, dass die Menschen dieses Landes zusammenhalten und zusammenarbeiten müssen», betonte er in einer Rede.

Bei Feierlichkeiten an der Südküste Indiens sowie auf der indischen Inselkette der Andamanen und Nikobaren kamen Überlebende ebenfalls zu Gebeten zusammen und weihten Gedenkstätten für die mehr als 12 000 Toten ein. Im Bundesstaat Tamil Nadu versammelten sich über 1000 Schulkinder an einem Strand, an dem mehr als 300 von der Flut getötete Kinder begraben sind. In Tamil Nadus Hauptstadt Chennai blieben die Fischerboote im Hafen. Als Zeichen der Trauer standen die Fischer am Meer, jeder mit einer schwarzen Flagge in der Hand.

Auch Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) gedachte der Getöteten und Vermissten. «Keiner und Keine von ihnen ist vergessen», sagte Wieczorek-Zeul am Vorabend des Jahrestages in Berlin. Die Bundesregierung tue alles, damit die Menschen in den gefährdeten Regionen möglichst bald ein funktionierendes Warnsystem nutzen können. Dazu setze Berlin rund 45 Millionen Euro ein. «Nur so kann verhindert werden, dass sich eine solche Tragödie wiederholt.»

Daneben erinnerte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) an die Opfer. Er hoffe, dass das unter Federführung des Potsdamer Geoforschungszentrums entwickelte Tsunami-Frühwarnsystem einen Beitrag zur Zukunftsvorsorge für bedrohte Gebiete leisten könne, sagte der SPD-Vorsitzende nach einer in Potsdam verbreiteten Pressemitteilung. (tso/dpa)

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