Türkei : Der Sexstreik zeigt erste Wirkung

Immer wieder müssen die Frauen aus dem türkischen Dorf nahe der Provinz Mersin Wasser aus 13 Kilometern Entfernung heranschleppen, da ihre Männer nicht gegen die trockene Rohrleitung des Dorfes angehen. Die Frauen treten in Sexstreik - mit Erfolg.

Thomas Seibert[Istanbul]

Na bitte, geht doch, werden sich die Frauen von Kicaköy gedacht haben. Seit einem Jahr müssen sie immer wieder Wasser für ihr Dorf in der südtürkischen Provinz Mersin aus einer Entfernung von 13 Kilometern heranschleppen, weil die Rohrleitung im Dorf die meiste Zeit trocken bleibt. Vor kurzem traten Frauen des Dorfes, wie berichtet, in einen Sexstreik: Weil sie finden, dass ihre Männer nicht genug tun, um das Problem zu beheben, und stattdessen den ganzen Tag im Teehaus verbringen, verbannten die Dörflerinnen von Kicaköy ihre Männer aus den Schlafzimmern.

Kaum machte der Sexstreik im ganzen Land und darüber hinaus Schlagzeilen, zeichnet sich eine erste Lösung ab. Fachleute der Provinzverwaltung prüfen die Qualität von Quellwasser in der Nähe des Dorfes, das möglicherweise schon bald die Wasserversorgung des Ortes sichern könnte. Nur zwei Kilometer vom Ort entfernt ist die Stelle, so dass ein Wasserspeicher und eine neue Rohrleitung bis ins Dorf finanzierbar wäre. Schon vor zwei Jahren habe er dieses Projekt vorgeschlagen, sagte Bürgermeister Osman Arslan. Damals blieb es bei der Prüfung der Wasserqualität, danach winkte die Provinzverwaltung ab.

Nun wird erneut geprüft. Wenn das Provinzparlament am Ende das Geld für das Vorhaben freigibt, wäre die Zeit der Wasserschlepperei in Kicaköy vorbei. Schon vor sieben Jahren hatten Frauen in einem anderen Dorf bei Antalya mit einem Sexstreik den Bau einer neuen Wasserleitung durchgesetzt.

Möglicherweise gelingt den Frauen in Kicaköy jetzt ein ähnlicher Erfolg. „Das Wasserproblem wird gelöst, die Männer dürfen wieder in die Schlafzimmer“, vermeldete eine türkische Zeitung am Mittwoch bereits.

Doch die Streikenden in Kicaköy bleiben skeptisch. Mit Wassereimern und Kannen, die sie zum Transport benutzen, ließen sich die Frauen weiter in türkischen Zeitungen abbilden. Und sie machten die türkischen Reporter auf die nach wie vor bestehenden Missstände aufmerksam. „Wir können unsere Kinder nicht richtig waschen, unsere Kleider bleiben tagelang schmutzig“, lautete die Kritik.

Selbst die dorfnahe Quelle kann die Streikenden bisher nicht umstimmen. „Wenn es darum geht, das Wasser aus zwei Kilometer Entfernung ins Dorf zu bringen, werden das wieder die Frauen machen müssen. Und die Männer sitzen im Teehaus“, wurden die Dorffrauen in der Presse zitiert. Ein Ende des Streiks ist deshalb noch nicht abzusehen: „Bis das Wasser hier ankommt, geht die Strafe für die Männer weiter.“

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