Türkei : Gepanschter Alkohol: Verdächtiger festgenommen

Dramatisches Ende einer Flucht: Der Hauptverdächtige im Alkohol-Fall von Kemer ist nach einer Schießerei festgenommen worden.

Susanne Güsten

IstanbulSeit Ende März war Cengiz E. einer der meistgesuchten Männer der Türkei. Der Unternehmer aus Antalya steht im Verdacht, Lieferant von gepanschtem Alkohol zu sein. Schnapsflaschen aus seinen Beständen gingen unter anderem an das "Anatolia Beach Hotel" im Ferienort Kemer westlich von Antalya. Dort starben vor wenigen Wochen drei Realschüler aus Lübeck, die nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gepanschten Wodka getrunken hatten. Nun wurde Cengiz E. nach einer Schießerei mit Polizisten in Antalya gefasst. Nach dem dramatischen Ende der Flucht des Hauptverdächtigen erhoffen sich die Behörden jetzt Aufschlüsse darüber, wie der tödliche Alkohol an die Besucher aus Deutschland gelangen konnte.

Cengiz E., ein Getränkegroßhändler aus Antalya, war unmittelbar nach dem Tod der Deutschen Ende März verschwunden. Die Polizei, die mit einem Haftbefehl eines Gerichts in Kemer in seiner Wohnung auftauchte, konnte ihn nicht finden. E. wurde seitdem landesweit gesucht, doch offenbar hat er den Großraum Antalya nie verlassen.

Anfang der Woche erhielt die Polizei - offenbar durch abgehörte Telefonate - den Hinweis, E. halte sich in einer Wohnung in der Stadt Manavgat in der Nähe von Antalya versteckt. Die dorthin entsandten Beamten, die bei dem Apartment im vierten Stock eines Mietshauses klingelten, wurden von E. und dessen Bruder mit einem Kugelhagel empfangen, wie der Fernsehsender Habertürk meldete. Die Polizisten erwiderten das Feuer. Bei dem etwa fünfminütigen Schusswechsel wurden Cengiz E., sein Bruder sowie zwei Beamte verletzt. Die beiden Brüder wurden festgenommen und zunächst zur Behandlung in ein nahes Krankenhaus gebracht.

Die Polizei in Antalya bestätigte die Festnahmen und teilte mit, keiner der vier Verletzten schwebe in Lebensgefahr. Die Brüder E. sollen noch vor dem Wochenende aus der Klinik entlassen werden. Deshalb wird die Staatsanwaltschaft Kemer wahrscheinlich bald mit der Befragung von E. beginnen können, der vor wenigen Jahren an der türkischen Ägäis-Küste bereits in einen anderen Fall von mutmaßlicher Panscherei verwickelt war. "Alkohol-Terrorist" wurde E. am Donnerstag auf einer türkischen Internetseite genannt. Die Ehefrauen der beiden Brüder, die an E.'s Betrieb beteiligt sind, wurden ebenfalls in Haft genommen.

E.'s Unternehmen "Germiyan" war laut Staatsanwaltschaft der Lieferant des giftigen Alkohols, an dem die drei Deutschen im "Anatolia Beach Hotel" starben. Der Anwalt des Verdächtigen, Yüksel Yildirim, betonte in den vergangenen Wochen jedoch, zuletzt habe "Germiyan" im Februar 60 Flaschen Wodka an das Hotel verkauft. Es habe sich um legal erworbene Ware gehandelt, die außerdem bis zum Eintreffen der Deutschen einen Monat später längst verbraucht gewesen sei. Zu dem früheren Fall sagte Yildirim, auch dabei habe sich heraussgestellt, dass die Ware seines Mandanten nicht gesundheitsgefährdend gewesen sei. Ein höchstrichterliches Urteil in dem Fall steht noch aus.

Der Tod der drei Deutschen kurz vor Beginn der Urlaubssaison an der türkischen Riviera hatte die Behörden aufgeschreckt. Inzwischen werden die Hotels in der Gegen strenger kontrolliert: Die Verwaltung von Kemer beispielsweise hat ein eigenes "Alkohol-Team" aus Lebensmittelkontrolleuren, Steuerbeamten und Polizisten gebildet, die Hotels, Restaurants und Alkohol-Verkaufsstellen in der Region nun ständig überprüfen.

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