Türkei : Wer verteidigt Marco W.?

Nach den erfolglosen Bemühungen, den in der Türkei angeklagten deutschen Schüler Marco frei zu bekommen, knirscht es auf der Verteidigerseite. Den Uelzener Anwälten wurde offenbar das Mandat entzogen.

Hannover/UelzenDer in der Türkei inhaftierte 17-jährige Marco W. wird nicht mehr von dem Uelzener Anwalt Jürgen Schmidt vertreten. Er habe sein Mandat in dem Fall beendet, sagte Schmidt und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Der seit geraumer Zeit in dem Fall agierende Anwalt Matthias Waldraff aus Hannover wies die Darstellung von Schmidt zurück. Richtig sei vielmehr, dass die Eltern von Marco den Uelzener Anwalt am Dienstagabend gebeten hätten, seine Tätigkeit einzustellen. Schmidts Uelzener Anwaltskollege Nikolaus Walther war Waldraff zufolge schon zuvor gebeten worden, sein Mandat abzugeben.

Es sei bedauerlich, dass man sich zu dem Sachverhalt jetzt öffentlich äußern müsse, sagte Waldraff. Die Abgabe des Mandats sollte "eigentlich ganz leise" vonstatten gehen. Es gehe schließlich um das Schicksal von Marco und nicht um verletzte Eitelkeiten, fügte Waldraff mit Blick auf eine Erklärung der Uelzener Anwälte hinzu, aus der die Uelzener "Allgemeine Zeitung" zitiert hatte.

Vorwürfe gegen Anwälte von Charlotte M.

In der Erklärung bezichtigen die beiden Uelzener Anwälte den Rechtsbeistand des angeblichen Opfers Charlotte M. der Lüge. "Nach von uns eingeholten amtlichen Informationen war am 1. Oktober 2007 noch nicht einmal ein Termin vor dem zuständigen Oldham Magistrates Court für die Vernehmung der englischen Zeuginnen, insbesondere der angeblich Geschädigten, Charlotte, bestimmt worden", heißt es in dem Schreiben. "Die Behauptung des türkischen Rechtsanwaltes von Charlotte, Ömer Aycan, anlässlich des letzten Haftprüfungstermins am 28. September 2007, dass diese bereits in Großbritannien amtlich vernommen worden sei, ist demnach ebenso falsch wie dessen Zitate aus dem angeblichen Vernehmungsprotokoll." Waldraff wollte zu dem Schreiben keinen Kommentar abgeben.

Marco soll im April im türkischen Urlaubsort Side die 13-jährige Britin sexuell missbraucht haben. Er wurde am 12. April in Side festgenommen, nachdem die Eltern des Mädchens Anzeige gegen ihn erstattet hatten. Der 17-Jährige bestreitet, dass er das Mädchen sexuell genötigt habe. Der Prozess gegen den Uelzener Schüler wird am 26. Oktober in Antalya fortgesetzt. (mit ddp)

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