• Türken prangern häusliche Gewalt an Die Zeitung „Hürriyet“ ändert ihren Ton

Welt : Türken prangern häusliche Gewalt an Die Zeitung „Hürriyet“ ändert ihren Ton

Suzan Gülfirat

Am Sonntag startete die türkische Tageszeitung „Hürriyet“ eine deutschlandweite Kampagne „Gegen häusliche Gewalt“. Die Aktion ist insofern bemerkenswert, weil die Zeitung in der jüngsten Vergangenheit eine heftige Kampagne gegen türkische Frauenrechtlerinnen geführt hat. Diese hatten nach mehreren spektakulären Morden eifersüchtiger Männer an Frauen die Gewaltbereitschaft türkischer Männer angeprangert. „Hürriyet“ hatte damals den Frauenrechtlerinnen Übertreibung vorgeworfen. Die meisten Türkinnen würden in Freiheit leben. Die Zeitung verwahrte sich dabei vor allem gegen die Darstellung, dass die meisten Türkinnen männlicher Gewalt ausgesetzt seien. Auch Berichte über Zwangsverheiratungen junger Mädchen stellte die Zeitung in Frage.

Mit ihrem neuen Engagement in Deutschland will „Hürriyet“ jetzt die Türken für das Thema Gewalt in der Familie sensibilisieren. Nach einer Diskussionsveranstaltung in Frankfurt am Main sind auch ähnliche Veranstaltungen in München, Köln, Hamburg und Berlin vorgesehen. Bereits jetzt ist der Chefredakteur der auflagenstärksten türkischen Tageszeitung in Deutschland mit der Kampagne zufrieden. „Mit so viel Resonanz haben wir nicht gerechnet“, sagte Ayhan Can.

Die zuvor angegriffenen türkischen Frauenrechtlerinnen waren zu der Auftaktveranstaltung geladen. Alle drei sagten ab. „Grundsätzlich finde ich diese Aktion gut, aber ich bezweifle die Redlichkeit dieser Zeitung“, sagte die Trägerin des Berliner Frauenpreises 2004, Seyran Ates. „Zuerst zieht sie uns durch den Dreck und verlangt dann Solidarität mit dieser Aktion“, begründete die Rechtsanwältin ihr Fernbleiben.

Während das Verständnis für männliche Gewalt in der türkischen Öffentlichkeit abnimmt, meldete sich am Wochenende der deutsche Kriminologe Christian Pfeiffer mit einer auffälligen Bemerkung anlässlich der Massenvergewaltigung einer 13-Jährigen in Hildesheim zu Wort. Bei der Suche nach Erklärungen für die Handlungsweise der beschuldigten Jugendlichen müsse man deren türkische Herkunft berücksichtigen, sagte der Leiter der Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen laut dpa. „Diese Jungen wachsen in einer ausgeprägten Machokultur auf.“ Dies könne zu der Vorstellung führen, dass man sich als Mann eine Frau nimmt, wenn man sie haben will.

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