Türkische Justiz : Eltern von Marco W. fürchten um sein Leben

Die Mutter des in der Türkei inhaftierten Schülers Marco W. hat Angst, dass sich ihr Sohn etwas antut. "Ich lebe zu 90 Prozent nur noch für euch", soll der 17-Jährige in einem Fax an seine Eltern geschrieben haben.

München"Nach dem Tiefschlag vor Gericht haben wir wirklich Angst um sein Leben", sagte Marcos Mutter, die ihren Sohn nach dem Prozess am vergangenen Mittwoch in Antalya besucht hatte, dem Magazin "Focus". Mit dunklen Rändern unter den Augen und eingefallenen Wangen sei er nach der Verhandlung in den Besucherraum gekommen. "Wir haben versucht, ihm wieder Mut zu machen, aber ein Junge in seinem Alter steckt so etwas nicht so einfach weg", sagte Marcos Mutter. Aus Telefonaten wisse sie, dass er sich zuletzt wiederholt übergeben habe und kaum noch etwas esse.

Unterdessen sagte Ömer Aycan, der türkische Anwalt des Mädchens, die 13-jährige Britin Charlotte M. wolle keinesfalls auf einen Brief von Marco W. antworten. Der Brief sei "vollkommen unangebracht". Charlotte solle durch diesen Brief ihre Anzeige zurückziehen, damit sich die Sache in Luft auflöse. "So etwas empfinde ich als gottlos", betonte Aycan gegenüber der Tageszeitung "B.Z.".

Urteil erst Anfang September

Marco soll sich während seines Osterurlaubs in Antalya an der 13-jährigen Britin Charlotte vergangen haben. Die Mutter des Mädchens hatte deshalb Mitte April Strafanzeige gegen den deutschen Schüler gestellt, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt. Ein Urteil könnte nach Angaben von Prozessteilnehmern am 6. September gesprochen werden. Marco W. hat zu Protokoll gegeben, dass er mit Charlotte zwar Zärtlichkeiten ausgetauscht hat, diese aber von beiden gewollt gewesen seien.

Der Schüler gibt zu, mit dem Mädchen geflirtet und geschmust zu haben. Sie habe sich ihm gegenüber jedoch als 15-Jährige ausgegeben. Die Engländerin hat dagegen angegeben, Marco habe sie sexuell bedrängt, während sie schlief. (mit AFP/ddp)

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