Welt : TUI und LTU: Schatten überm Paradies

Ralph Schulze

Zwei große deutsche Urlaubskonzerne ziehen sich in der Nebensaison von der spanischen Baleareninsel Ibiza zurück. Das Image der Insel, die vor allem für ihr ausschweifendes Nachtleben bekannt ist, sei in Deutschland angeknackst, das Geschäft im milden Winter und Frühjahr läuft schlecht.

Die Flucht von TUI und LTU schlug auf der Insel wie eine Bombe ein. Die Entscheidung sei "katastrophal", sagen die Hoteliers; die Inselregierung sei mit ihrem Versuch, die Nebensaison zu beleben und den Ruf der "Hippie-Insel" aufzupolieren, gescheitert.

In diversen Krisenrunden versuchten Ibizas Inselmanager die Programmplaner von TUI und LTU von ihrem Ausstieg abzuhalten. Umsonst. Erst sprang der TUI-Konzern ab, weil er seine Verkaufserwartungen auf Ibiza nicht erfüllt sah. "Wir offerieren von der kommenden Nebensaison an für Ibiza keine Pauschalreisen mehr", bestätigt ein Sprecher. Ibiza-Individualisten könnten sich aber weiterhin über TUI Flüge und Hotels zusammenstellen.

Von LTU hieß es: "Wir hatten so geringe Buchungszahlen, dass das Winterangebot auf Ibiza wirtschaftlich keinen Sinn machte." Die Infrastruktur auf Ibiza sei in der Wintersaison ungenügend; die meisten Hotels, Restaurants und Freizeitstätten seien geschlossen. Die schlechte Resonanz in Deutschland auf die jüngst beschlossene Balearen-Urlaubssteuer lasse weitere Geschäftseinbrüche erwarten.

Nicht betroffen von den Streichungen ist die LTU-Fluglinie. Ihre Flieger füllen sich nicht nur mit Touristen, sondern auch mit jenen tausenden ausländischen Residenten, die auf diesem paradiesischen Eiland Zweitwohnungen oder Villen haben und oft einfach nur für ein Wochenende kommen.

Nach der Absage der beiden Reisemultis fürchtet die Hotelbranche nun "einen schrecklichen Domino-Effekt". Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Reise-Konzerne folgen. Die angestrebte Belebung der Nebensaison mit der Werbung "Ein Winter auf Ibiza" stehe vor dem Scheitern. "Ein kalter Schauer für die Interessen der Insel", sagt der Präsident der Hotelvereinigung, Joan Bufi, und prophezeit "schwierige Zeiten". Die geplante Ferienabgabe, die offiziell Ökosteuer heißt, müsse zumindest in der Nebensaison gestrichen werden.

Die Hiobsbotschaft der beiden deutschen Ferienkonzerne kommt zu einer Zeit, in der die zweitgrößte Baleareninsel verzweifelt versucht, jenen Imageschaden zu reparieren, den durchs Nachtleben saufenden Horden junger Briten auf Ibiza anrichteten. "Ibiza ist mehr als nur Strand oder Diskothek", beschwört Xico Tarres, Bürgermeister von Ibiza-Stadt seine Gäste. Doch seine Insel-Werbung, die auf das "Weltkulturerbe" des Eilands abhebt, wird offenbar nicht erhört.

Nicht einmal in Großbritannien, wo rund die Hälfte der 1,5 Millionen Touristen herkommen, die auf der Insel mit ihren 70 000 Einwohnern ausspannen. Eine Umfrage auf dem britischen Reisemarkt ergab, dass die Familien, die man eigentlich anlocken will, immer weniger Lust auf Ibiza-Urlaub haben. "Es ist eindeutig", heißt es in der Studie, "dass der Ruf Ibizas als Reiseziel für junge Discotheken-Anhänger eine bedeutende Zahl von Familien abschreckt".

Britische, zuweilen auch deutsche Jugendliche machten auf der Insel durch Alkohol-, Sex- und Drogenexzesse Schlagzeilen. "Das Verhalten dieser Touristen", warnt Jose Colomar, Chef von Ibizas Fremdenverkehrsbehörde, "gefährdet das Überleben unserer Insel."

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