Welt : Tumulte im Prozeß gegen "Wunderheiler" Hamer

Urteil verzögerte sich / Befangenheitsanträge abgelehnt KÖLN(AFP/dpa).Im Prozeß gegen den umstrittenen früheren Krebsarzt Ryke Geerd Hamer ist die Verteidigung am Freitag mit zwei Befangenheitsanträgen gegen den Vorsitzenden Richter gescheitert.Die Anträge wurden von einem anderen Richter des Kölner Amtsgerichts als unbegründet verworfen.Der Verteidiger hatte die Anträge eingebracht, weil Amtsrichter Wolfgang Hilgert am Mittag den Saal teilweise unter Gewaltanwendung räumen ließ und das Verfahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit fortsetzte.Der Richter hatte die Maßnahme getroffen, weil Anhänger des 61jährigen "Wunderheilers" während des Verfahrens mehrfach laut Beifall für den Angeklagten und seinen Verteidiger geklatscht hatten.Danach durften nur noch Angehörige des Angeklagten der Verhandlung weiter folgen.Einige Zuschauer wurden von den Gerichtsdienern mit sanfter Gewalt aus dem Saal geschoben. Zu Beginn des letzten Verhandlungstages war der 62jährige Ex-Arzt von den Anhängern seiner "Neuen Medizin" begeistert empfangen worden.Zuvor hatte das Gericht einen Journalisten als Zeuge befragt, der sich 1995 als Multiple-Sklerose-Patient ausgegeben und an Hamer gewandt hatte.Er sagte, der "Krebsheiler" habe ihm geraten, "Ärzte und Medikamente zu meiden".Der Angeklagte bestätigte, er habe dem Ratsuchenden damals erklärt, daß eine Lähmung in der linken Körperhälfte immer durch einen Konflikt mit der Mutter ausgelöst werde. Nachdem die Befangenheitsanträge gescheitert waren, reichte der Anwalt Hamers am Nachmittag einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens ein. In dem Prozeß wirft die Anklage Hamer unterlassene Hilfeleistung sowie 13 Verstöße gegen das Heilpraktikergesetz vor.Hamer soll 1995 drei todkranken Krebspatienten von einer ärztlichen Behandlung abgeraten und sie ermuntert haben, auf ihre "Selbstheilkräfte" zu vertrauen.In die Schlagzeilen war Hamer geraten, als die Eltern der krebskranken Olivia Pilhar auf sein Anraten eine Behandlung ihrer Tochter in der Klinik verweigerten.Erst nach einem richterlichen Beschluß konnte das damals siebenjährige todkranke österreichische Mädchen 1995 therapiert und nach jetzigem Wissensstand geheilt werden.Ohne diese Therapie wäre das Mädchen gestorben.Um diesen Fall geht es in dem Kölner Verfahren jedoch nicht.Der Vater der österreichischen Krebspatientin Olivia Pilhar saß jedoch im Publikum. Der "Wunderheiler" wurde bekannt durch das todkranke Mädchen Olivia Pilhar, das gerettet werden konnte

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