• Tunnelkatastrophe: Unglück löst auch bei Unbeteiligten Tunnelängste aus - Inferno begleitet Gerettete das ganze Leben lang

Welt : Tunnelkatastrophe: Unglück löst auch bei Unbeteiligten Tunnelängste aus - Inferno begleitet Gerettete das ganze Leben lang

Das Inferno im Bergbahntunnel von Kaprun wird die Überlebenden nach Ansicht von Psychologen ein Leben lang begleiten. Eine Therapie könne aber "dazu beitragen, dass die Betroffenen auf erträgliche Weise an das Unglück denken können", sagte der Kölner Diplom-Psychologe Peter Groß am Montag in einem dpa-Gespräch.

Sein Münsteraner Kollege Steffen Fliegel wies darauf hin, dass auch bei Nichtbetroffenen Tunnelängste ausgelöst werden können. Es bestehe die Gefahr, dass viele Menschen unter dem Eindruck des Unglücks Tunnel oder Engstellen mieden, sagte Fliegel der dpa. Trotz der Angst vor einer Wiederholung sollten diese Menschen Tunnel durchqueren: "Sonst wird die Vermeidung immer größer. Erst wird der Tunnel auf der Autobahn umfahren, dann traut man sich nicht einmal mehr durch eine Unterführung", sagte Fliegel.

Die Überlebenden der Bergbahn-Katastrophe vom Kitzsteinhorn, bei der nach vorläufigen Angaben mindestens 162 Menschen ums Leben gekommen sind, müssten langsam und vorsichtig mit den Geschehnissen konfrontiert werden. Nur so könnten sie das Erlebte auf Dauer verarbeiten.

"Während eines solchen Unglücks wird bei den direkt Betroffenen die gesamte Biochemie des Körpers auf Flucht eingestellt", sagte Groß. Dabei werde unter anderem eine große Menge Adrenalin ausgeschüttet. Durch entsprechende Aktionen wie das Einschlagen einer Fensterscheibe würden die ausgeschütteten Stoffe normalerweise innerhalb weniger Stunden abgebaut. Allerdings würden Erinnerungen an das traumatische Erlebnis immer wieder die gleiche biochemische Reaktion hervorrufen. Da die Betroffenen im Alltag aber keine Möglichkeit haben, sich abzureagieren, können die ausgeschütteten Körperstoffe Verkrampfungen oder Stresszustände verursachen.

Daher müssten die Patienten einen Weg finden, ihre enormen Angstgefühle auszudrücken und zu verarbeiten.

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