TV-Wetterexperte : Kachelmann bleibt in U-Haft

Der Anwalt von TV-Wetterexperte Jörg Kachelmann zieht beim Haftprüfungstermin den Antrag auf Freilassung zurück. Verteidigung und Justiz entfachen eine verwirrende Propagandaschlacht um den Fall.

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Klare Aussage. Kachelmann gestern am Mannheimer Gericht. Sein Markenzeichen, den spirreligen Bart, hat er sauber abrasiert.
Klare Aussage. Kachelmann gestern am Mannheimer Gericht. Sein Markenzeichen, den spirreligen Bart, hat er sauber abrasiert.Foto: RTR

Der Fernsehmeteorologe Jörg Kachelmann wird nicht aus der Untersuchungshaft entlassen. Das ist das Ergebnis des Haftprüfungstermins am Mittwoch, den Kachelmanns Verteidigung zuvor beantragt hatte. Wie der Sprecher der Mannheimer Staatsanwaltschaft, Andreas Grossmann, dem Tagesspiegel sagte, habe der Anwalt während des Termins seinen Antrag auf Haftprüfung und Freilassung zurückgezogen. Deshalb bleibe der Meteorologe in Haft, bis der Anwalt einen neuen Termin beantrage. Dann werde neu entschieden. Kachelmann sei bei dem Haftprüfungstermin am Dienstag vernommen worden, sagte Grossmann. Dabei habe er die Vorwürfe gegen sich bestritten.

Kachelmann sitzt seit Samstag in Mannheim in Untersuchungshaft. Laut Haftbefehl steht er im Verdacht, eine Frau vergewaltigt zu haben.

In einem Kleinkrieg um Stellungnahmen hatte der Strafverteidiger Reinhard Birkenstock am Vormittag zunächst für Verwirrung gesorgt. Er hatte erklärt, dass es sich nicht um einen Haftprüfungstermin handele. Es sei lediglich eine Vernehmung, bei der auch der Staatsanwalt anwesend sei, hatte Birkenstock behauptet. Gerichtssprecher Volker Schmelcher stellte daraufhin klar, dass die Vernehmung Kachelmanns ein Haftprüfungstermin sei, der bereits nach der Verhaftung von Kachelmanns Verteidigung beantragt wurde.

Über das Motiv der Verteidigung kann man nur spekulieren. Möglicherweise möchte sie durch die Rücknahme des eigenen Haftprüfungsantrags Druck aus dem Thema nehmen. In den vergangenen Tagen hatte sich das Thema zwischen verschiedenen Stellungnahmen der Anwälte, der Justiz und Kachelmanns Firma immer weiter hochgeschaukelt. In Internetforen von Rechtsanwälten wurden kritische Stimmen laut, dass Kachelmann als erstes ausgerechnet einen Medienanwalt beauftragte, der sich dann sofort lautstark zu Wort meldete. Auch das sofortige Beantragen eines Haftprüfungstermins könnte möglicherweise taktisch unklug gewesen sein. Kachelmann jetzt auftretender Strafverteidiger Birkenstock scheint die Vorgänge in andere – ruhigere – Bahnen lenken zu wollen.

Vor dem Vernehmungstermin hatte Kachelmanns damaliger Strafverteidiger Reinhard Birkenstock angekündigt, sein Mandant werde sich gegenüber Staatsanwaltschaft und Richter umfassend äußern.
Vor dem Vernehmungstermin hatte Kachelmanns damaliger Strafverteidiger Reinhard Birkenstock angekündigt, sein Mandant werde sich...Foto: ddp

Der Anwalt der 36-Jährigen, die Kachelmann wegen Vergewaltigung angezeigt hat, will die Aussagen des Moderators sorgfältig prüfen. „Wir hatten noch keine Akteneinsicht“, sagte Thomas Franz am Mittwoch nach dem Haftprüfungstermin von Kachelmann gegenüber dpa. Franz selbst war bei der Anhörung nicht dabei. Seinen Angaben zufolge ist seine Mandantin in psychotraumatologischer Behandlung, sie gehe derzeit nicht zur Arbeit. Die Moderatorin bei einem privaten Radiosender habe Kachelmann im Februar unmittelbar nach der Tat angezeigt. Es gebe zahlreiche Beweise. „Meine Mandantin war auch in der Gynäkologie in Heidelberg“, sagte Franz. Die 36-Jährige habe mit Kachelmann eine langjährige Beziehung gehabt.

Kachelmann war auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden, weil er seine langjährige Freundin nach einem Streit Anfang Februar in deren Wohnung gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben soll.
Kachelmann war auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet worden, weil er seine langjährige Freundin nach einem Streit Anfang Februar...Foto: ddp

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