• U-Boot-Unglück: Ex-Gorbatschow-Berater Portugalow über die Folgen des Kursk-Dramas (Interview)

Welt : U-Boot-Unglück: Ex-Gorbatschow-Berater Portugalow über die Folgen des Kursk-Dramas (Interview)

Wie denken Sie[wie denken die Russen über di]

Der langjährige russische Deutschlandexperte Nikolaj Portugalow, der Ex-Präsident Gorbatschow außenpolitisch beriet, hat dem Deutschlandfunk ein Interview zum Drama der Kursk gegeben. Wir drucken es im Folgenden in Auszügen.

Wie denken Sie, wie denken die Russen über diese Tragödie?

Ja, es ist so, wie wir es verdienen. Ein Desaster, eine Katastrophe, und das Krisenmanagement verdient es nicht, als ein solches bezeichnet zu werden.

Hätten Sie das für möglich gehalten, dass all dies im alten Sowjetstil abläuft, dass Putin eigentlich hinter das zurückfällt, was man aus Gorbatschow-Zeiten kennt?

Noch viel früher als in Gorbatschow-Zeiten. Das Verschweigenwollen, und ich kann es ganz ruhig sagen, infame Lügen des Flottenkommandeurs, sie haben selbstverständlich die Öffentlichkeit aufgebracht, obschon ich das so nicht überschätzen würde.

Das Flottenkommando ist das eine, das anderen sind die Fehler von Putin. Welche Konsequenzen könnte das haben?

Ja, was die Konsequenzen betrifft, so wollen wir ein bisschen abwarten. Es ist doch so, hier gab es einen ironischen Kommentar in einer russischen Zeitung. Da hat man gemeint, ein Mitglied einer Wohngemeinschaft ist auf die Toilette gegangen, das Schloss habe eingerastet. Er kann die Tür nicht öffnen, das Wasser mit Fäkalien steht ihm bis zum Hals. Das Licht ist aus, und da stehen die anderen Mitglieder der Wohngemeinschaft und wollen einen Handwerker holen. Zunächst rufen sie den Hauswart. Er meint, er sei kein Spezialist, er komme nicht, und was den Handwerker betrifft, lieber nicht: Er ist ein Gauner, und der hat uns schon ein paar Mal böse Streiche gespielt. Das ist ironischerweise eine Parabel, eine glänzende Beschreibung der Situation.

Es ist ja, so wird jetzt spekuliert, nicht nur ein russisches U-Boot untergegangen, sondern auch ein potemkinsches Dorf, nämlich das des Traumes von der russischen Großmacht. Sehen Sie das ähnlich?

Ja, und ob ich das ähnlich sehe. Wir sind keine Weltmacht mehr. Und das ist das Schlimmste, was uns passieren konnte, es noch einmal zu versuchen mit Militärmacht, die alte Stellung zu erringen, was ein Ding der Unmöglichkeit ist und ganz schlimme Folgen haben kann. Denn bedenken Sie, die Kursk gehörte doch nicht zu den ausrangierten U-Booten. Das war eines der neuesten, das mit seinen Geschwisterschiffen den Kern der neuen Macht der russischen Flotte bilden sollte. Wozu brauchen wir das?

Genau das ist die Frage. Kann Russland sich eine Atom-U-Boot-Flotte leisten?

Für meine Begriffe nicht. Nehmen Sie mal nur zwei Zahlen: 240 Milliarden Dollar Militärhaushalt vom Pentagon und 2,4 in etwa beträgt der Militärhaushalt in Russland. Sehen Sie die militärische Macht, um das Wort zu gebrauchen. Wir brauchen vor allem Wartung und Übung, und wenn der Kapitän der Kursk 500 Mark pro Monat erhält, so können Sie daraus schon schließen, wie das mit der Wartung und Übung vor sich geht.

Der langjährige russische Deutschlandexperte Nikolaj Portugalow, der Ex-Präsident Gorbatschow außenpolitisch beriet, hat dem Deutschlandfunk ein Interview zum Drama der Kursk gegeben. Wir drucken es im Folgenden in Auszügen.

Wie denken Sie, wie denken die Russen über diese Tragödie?

Ja, es ist so, wie wir es verdienen. Ein Desaster, eine Katastrophe, und das Krisenmanagement verdient es nicht, als ein solches bezeichnet zu werden.

Hätten Sie das für möglich gehalten, dass all dies im alten Sowjetstil abläuft, dass Putin eigentlich hinter das zurückfällt, was man aus Gorbatschow-Zeiten kennt?

Noch viel früher als in Gorbatschow-Zeiten. Das Verschweigenwollen, und ich kann es ganz ruhig sagen, infame Lügen des Flottenkommandeurs, sie haben selbstverständlich die Öffentlichkeit aufgebracht, obschon ich das so nicht überschätzen würde.

Das Flottenkommando ist das eine, das anderen sind die Fehler von Putin. Welche Konsequenzen könnte das haben?

Ja, was die Konsequenzen betrifft, so wollen wir ein bisschen abwarten. Es ist doch so, hier gab es einen ironischen Kommentar in einer russischen Zeitung. Da hat man gemeint, ein Mitglied einer Wohngemeinschaft ist auf die Toilette gegangen, das Schloss habe eingerastet. Er kann die Tür nicht öffnen, das Wasser mit Fäkalien steht ihm bis zum Hals. Das Licht ist aus, und da stehen die anderen Mitglieder der Wohngemeinschaft und wollen einen Handwerker holen. Zunächst rufen sie den Hauswart. Er meint, er sei kein Spezialist, er komme nicht, und was den Handwerker betrifft, lieber nicht: Er ist ein Gauner, und der hat uns schon ein paar Mal böse Streiche gespielt. Das ist ironischerweise eine Parabel, eine glänzende Beschreibung der Situation.

Es ist ja, so wird jetzt spekuliert, nicht nur ein russisches U-Boot untergegangen, sondern auch ein potemkinsches Dorf, nämlich das des Traumes von der russischen Großmacht. Sehen Sie das ähnlich?

Ja, und ob ich das ähnlich sehe. Wir sind keine Weltmacht mehr. Und das ist das Schlimmste, was uns passieren konnte, es noch einmal zu versuchen mit Militärmacht, die alte Stellung zu erringen, was ein Ding der Unmöglichkeit ist und ganz schlimme Folgen haben kann. Denn bedenken Sie, die Kursk gehörte doch nicht zu den ausrangierten U-Booten. Das war eines der neuesten, das mit seinen Geschwisterschiffen den Kern der neuen Macht der russischen Flotte bilden sollte. Wozu brauchen wir das?

Genau das ist die Frage. Kann Russland sich eine Atom-U-Boot-Flotte leisten?

Für meine Begriffe nicht. Nehmen Sie mal nur zwei Zahlen: 240 Milliarden Dollar Militärhaushalt vom Pentagon und 2,4 in etwa beträgt der Militärhaushalt in Russland. Sehen Sie die militärische Macht, um das Wort zu gebrauchen. Wir brauchen vor allem Wartung und Übung, und wenn der Kapitän der Kursk 500 Mark pro Monat erhält, so können Sie daraus schon schließen, wie das mit der Wartung und Übung vor sich geht.

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