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Überfall : Westerwelle bestätigt Tod von zwei Deutschen in Äthiopien

Nach dem Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien hat der Außenminister den Tod zweier Deutscher offiziell bestätigt. Weitere Touristen sind offenbar noch in der Hand von Entführern.

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Die Region an der Grenze zu Eritrea gilt als landschaftlich schön, aber gefährlich. Seit vielen Jahren gilt eine Reisewarnung.
Die Region an der Grenze zu Eritrea gilt als landschaftlich schön, aber gefährlich. Seit vielen Jahren gilt eine Reisewarnung.Foto: dpa

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat bestätigt, dass bei einem Überfall auf eine Reisegruppe in Äthiopien zwei Deutsche getötet worden sind. „Ich muss Ihnen leider auch
mitteilen, dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt ist“, erklärte Westerwelle am Mittwoch in Berlin.

Weitere Teilnehmer der überfallenen deutsch-österreichischen Reisegruppe sind nach äthiopischen Angaben entführt worden. Die beiden Touristen, ein Fahrer und ein Polizist aus der Region seien über die Grenze ins Nachbarland Eritrea verschleppt worden, sagte ein Vertreter der Botschaft in Berlin dem Tagesspiegel.

Die äthiopische Regierung in Addis arbeite mit den Regierungen der betroffenen Staaten eng zusammen. Die Regierung in Addis werde "angemessene Maßnahmen" ergreifen, die dem entsprächen, was "sie uns angetan haben", sagte der Botschaftsvertreter, ohne die Maßnahmen näher benennen zu wollen. Auch wenn Eritrea dies bestreite, sei es so, dass die Angreifer in Eritrea "trainiert und ausgerüstet" worden seien. Das hätten die bisherigen Ermittlungen ergeben. Die Entführer hätten bisher keine Forderungen gestellt. Ob jemand habe entkommen können, wisse man derzeit nicht. Diesen Informationen zufolge liegen zwei Ungarn verletzt im Krankenhaus. Fünf der insgesamt 20 Menschen zählenden Gruppe seien getötet worden. In Berlin war von zwei Deutschen, zwei Ungarn und einem Österreicher die Rede.

Das Bundeskriminalamt (BKA) schickt mehrere Mitarbeiter in das afrikanische Land. Sie sollen noch am Morgen in Richtung der Hauptstadt Addis Abeba aufbrechen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Auch der Verbindungsbeamte der Behörde in Kenia sei nach Addis Abeba beordert worden. "Wir unterstützen dort die deutsche Botschaft, wir versuchen dort die Interessen der deutschen Staatsangehörigen wahrzunehmen, Kontakt zu den Behörden aufzubauen." Auch zu den Angehörigen in Deutschland sei bereits Kontakt aufgenommen worden.

Wer hinter der Attacke stecken könnte, sei noch unklar, sagte Ziercke. "Es gibt Vermutungen, dass es Rebellen sein könnten, aber da wäre ich sehr vorsichtig, das müssen die weiteren Ermittlungen ergeben." Die Lage sei derzeit sehr unübersichtlich. "Wir müssen sehr vorsichtig sein. Das Lagebild ist sehr diffus im Moment. Wir kennen die Hintergründe noch nicht, wieso es dazu kommen konnte und von daher müssen wir vielleicht noch ein, zwei Tage warten, bis wir konkrete Informationen liefern können."

Der Überfall hatte sich in der Nacht zum Dienstag in der Danakil-Senke unweit der eritreischen Grenze ereignet. Bei den Tätern habe es sich um von der eritreischen Regierung ausgebildete Banditen gehandelt, sagte ein Sprecher der äthiopischen Regierung. Er bezog sich bei seinen Angaben auf äthiopische Sicherheitskräfte.

Das Außenministerium hat in Berlin einen Krisenstab eingerichtet. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte: "Das Auswärtige Amt und die Botschaft sind mit Hochdruck um Aufklärung des Sachverhalts und des Schicksals der deutschen Staatsangehörigen bemüht.“

Reiseveranstalter aus Dresden hatte Reisegruppe in der Region

Mindestens ein deutscher Reiseveranstalter aus Dresden hatte eine Reisegruppe dort unterwegs. Im Moment ist Hauptreisezeit für diese Region. Betroffene und Angehörige würden betreut, erklärte der Veranstalter Diamir Erlebnisreisen auf seiner Internetseite, die zwischendurch nicht erreichbar gewesen war. Für alle Anfragen verweist das Unternehmen ans Auswärtige Amt.

Diamir erklärte allerdings, trotz der Risikohinweise vom Auswärtigen Amt „bis zum gegenwärtigen  Zwischenfall“ habe das Unternehmen „keinerlei Hinweise darauf, dass die Sicherheit der Gäste in der Region in Frage stehen könnte.

Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls bestand weder für Äthiopien noch für Teile des Landes eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland.“ Diese Reise sei seit 2006 im Programm und wurde bisher „mehrmals pro Jahr durchgeführt“. Jetzt seien alle Reisen in die Region abgesagt worden. Der Reiseveranstalter erklärte, für ihn habe die Sicherheit seiner Gäste „stets absoluten Vorrang“.  Der Veranstalter wirbt damit, "sorgfältig ausgewählte Spezialisten" zu haben, die den "reibungslosen Ablauf" auch von Indivudualprogrammern garantierten. 

Nach den Zeitungsberichten geschah der Überfall auf die Reisegruppe in der Nähe des Vulkans Erta Ale in der Danakil-Wüste. Die Region ist einer der tiefsten Orte der Erde und wird vom Nomadenvolk der Afar bewohnt. Die Region ist extrem unwirtlich, heiß und arm, aber auch von großer landschaftlicher Schönheit. In dem Gebiet waren 2007 fünf europäische Geiseln - vier Briten und eine Französin - entführt und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden. Auch 2008 gab es mehrere Überfälle auf Reisegruppen.

(mit dpa/rtr)

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