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Übergriffe : Jugendliche sollen Kinder in Ferienlager missbraucht haben

In einem Feriencamp des Stadtsportbundes Osnabrück soll es zu schweren sexuellen Übergriffen gekommen sein. Bei den Opfern handelt es sich um 13-jährige Jungen. Die Betreuer schritten offenbar nicht ein.

Bei den Übergriffen bei einer deutschen Sommerfreizeit auf der niederländischen Insel Ameland sei den Opfern Gewalt angetan worden, sagte der Sprecher der Osnabrücker Polizei, Georg Linke, am Mittwoch. Der Stadtsportbund Osnabrück hatte das Feriencamp auf einem Bauernhof ausgerichtet.

Die Ermittlungen richten sich derzeit gegen sechs bis acht Tatverdächtige, sagte Linke und bestätigte einen Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Missbrauchsfälle geschahen in einer Jugendgruppe mit etwa 40 Kindern im Alter von 13 bis 16 Jahren.

Nach Angaben der Polizei ereigneten sich die Angriffe im Schlafsaal. Dort sollen laut Zeitungsbericht sechs 13-Jährige zum Teil mehrfach von einer Gruppe überwiegend älterer Jungen in die Mitte des Saals gezerrt und mit Gegenständen wie Colaflaschen sexuell hart und auf übelste Weise misshandelt worden sein.

Opfer krallten sich an den Betten fest

Weitere Überfälle auf die Jungen seien nur gescheitert, weil sich die Opfer "verzweifelt an ihren Betten festgekrallt haben, über Feuerleitern geflüchtet sind oder erheblichen Widerstand geleistet haben", sagte der Leiter des Osnabrücker Jugendschutz-Kommissariats, Berndt Klose, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zum Kreis der Täter zählen nach Angaben der Beamten auch zwei 13-Jährige, die zuerst sogar selber Opfer waren. Weitere Details zu dem Gewaltausbruch wollte die Polizei nicht nennen. "Einerseits müssen wir die Opfer schützen", sagte Linke. Andererseits sollten die Ermittlungen nicht gefährdet werden.

Mutter eines Kindes meldete sich bei der Polizei

Die Ermittler schlössen nicht aus, so heißt es in dem Bericht weiter, dass sich Betreuer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht haben. Es gebe Aussagen, wonach sich Kinder noch vor Ort hilfesuchend an das Personal gewandt haben, doch das sei nicht gegen die Täter vorgegangen. Die Mutter eines Kindes hatte sich nach Rückkehr der Gruppe bei der Polizei gemeldet. Psychologisch geschulte Beamte des Jugendschutzkommissariats befragen zur Zeit die Betroffenen und ihre Eltern.

Ob es sich bei den Taten strafrechtlich gesehen tatsächlich um Vergewaltigungen handele, müsse die Staatsanwaltschaft prüfen. Für die strafrechtliche Würdigung seien auch Motivlage und die subjektive Einstellung der mutmaßlichen Täter notwendig, betonte Linke.

Das Camp war nach Darstellung des Stadtsportbundes Osnabrück eine Ferienfreizeit, an der 170 Jungen und Mädchen zwischen 8 und 16 Jahren von Ende Juni bis Anfang Juli in Buren auf Ameland teilgenommen hatten. In dem Dorf waren viele von den Nachrichten überrascht und entsetzt: "Das ist Negativ-Werbung für uns, wir sagen dazu nichts", sagte eine Nachbarin des Ferien-Bauernhofes.

"In 40 Jahren ist so etwas noch nie passiert"

Auch die Vermieterin, die ungenannt bleiben möchte, hielt sich bedeckt: "Wir haben von den Vorfällen nichts mitbekommen. In 40 Jahren ist so etwas noch nie passiert." In dem Haus selbst ist inzwischen eine Gruppe aus Nordrhein-Westfalen untergebracht, die von den Vorfällen der Vergangenheit nichts mitbekommen hat.

Die Kinder hatten während des Urlaubs Aktivitäten wie Kutschfahrten, Strandwanderungen oder Strandspiele und auch das Deutsche Sportabzeichen machen können. "Es war kein Trainingslager", betonte ein Sprecher des Sportbundes.

Nach Angaben des Vorsitzenden des Stadtsportbundes Osnabrück, Wolfgang Wellmann, hat es sich bei den Betreuern um qualifiziertes Personal gehandelt. Von daher könne man eigentlich voraussetzen, dass die Betreuer wüssten, wie sie sich beim Verdacht auf Missbrauchsfälle zu verhalten hätten.

Aus seiner Sicht sei allerdings noch nicht geklärt, was die Betreuer tatsächlich von den Vorfällen mitbekommen haben. Er wolle erst die polizeilichen Ermittlungen abwarten, sagte Wellmann. Aus diesem Grund bedauerte er, dass der ehrenamtliche Leiter der Freizeit bereits zurückgetreten ist. Dieser hatte erst nach der Rückkehr aus dem Ferienlager am 9. Juli von den Vorwürfen erfahren.

Der Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) reagierte entsetzt: "Ich hoffe, dass die Ermittlungsbehörden die Geschehnisse lückenlos aufklären können, die Opfer professionellen medizinischen und psychologischen Beistand erfahren und die mutmaßlichen Täter rechtliche Konsequenzen zu erwarten haben." (dpa/ddp)

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