Welt : Überraschung im Prozess um DDR-Kinderheim

Iris Hellmann

18 Verhandlungstage waren angesetzt, 48 Zeugen geladen – am Ende war es nach jahrelangem Verfahrensstreit ein überraschend „kurzer Prozess“. Das Verfahren gegen vier ehemalige Mitarbeiter des DDR-Spezialkinderheims in Meerane wegen Misshandlung Schutzbefohlener ist gestern am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Leipzig eingestellt worden. Drei der Angeklagten müssen Geldbußen zwischen 3500 und 6000 Euro an ihre Opfer und an gemeinnützige Einrichtungen zahlen. Der vierte Angeklagten braucht keine Geldbuße zu zahlen. Den drei Männern und einer Frau war vorgeworfen worden, von 1986 bis 1990 fünf Jungen mehrmals misshandelt, gequält und eingesperrt haben. Einem der Angeklagten wurde auch sexueller Missbrauch eines Jungen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft wollte die Einstellung des Verfahrens – selbst wenn nach langer Verhandlung die Schuld hätte nachgewiesen werden können, wären wahrscheinlich nur geringe Geldstrafen verhängt worden. Mario S., der Hauptbelastungszeuge, war enttäuscht. „Das ist eine bodenlose Frechheit. Mit Geld kann man nicht gutmachen, was die uns angetan haben.“

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