Überschwemmung : Eine Million Afrikaner auf der Flucht vor der Flut

In 17 Ländern im Trockengürtel des schwarzen Kontinents hat eine außergewöhnliche Regenzeit katastrophale Folgen. Gerade wurde begonnen, die Kriegsschäden zu beseitigen. Nun droht die Flut alle Bemühungen wieder im Keim zu ersticken. Zahlreiche Menschen verloren bereits ihr Leben.

Dagmar Dehmer

Berlin - Nach Jahren der Dürre sind weite Teile in West-, Zentral- und Ostafrika überschwemmt. Seit Juni entfaltet sich eine Flutkatastrophe, die zunächst im Sudan, in Äthiopien, Uganda und Kenia begann. Seit August hat die außergewöhnliche Regenzeit nun Westafrika getroffen. Insgesamt sind inzwischen 17 Staaten von der Krise betroffen. Mehr als 200 Menschen sind ertrunken, mehr als eine Million Menschen hat ihre Häuser und oft auch ihre Existenz verloren.

Besonders betroffen ist der Sudan. Im Südsudan, in den seit dem Friedensschluss zwischen der Regierung in Khartum und den Rebellen der SPLA 2005 tausende Flüchtlinge zurückgekehrt sind, sind 64 Menschen ertrunken. Weitere 54 Menschen sind an Cholera gestorben, die sich aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen ausbreiten konnte. Die Menschen waren nach einem mehr als 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg mit tausenden Toten ins Nichts zurückgekehrt. Sie fanden keine Häuser, keine Schulen, keine Straßen, keine Jobs vor. Inzwischen wird zwar viel Geld investiert, doch mit der Flutkatastrophe ist vieles, was aufgebaut worden war, weggespült worden. Ein Ende des Regens ist nicht abzusehen.

Ähnlich dramatisch ist die Lage im Norden Ugandas. Auch hier trifft die Flut vor allem Flüchtlinge. Dort hatte die Lord Resistance Army (LRA) von Joseph Kony zwanzig Jahre lang die Bevölkerung terrorisiert und tausende Kinder gezwungen, Soldaten zu werden. Kony kämpfte angeblich für einen christlichen Gottesstaat, vor allem aber gegen den ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni. Seit einem guten Jahr reden die ugandische Regierung und die LRA über einen Friedensschluss. Erstmals seit Jahrzehnten konnten die Nordugander in ihre Dörfer zurückkehren, ohne neue Terrorattacken befürchten zu müssen. Nun haben sie gleich wieder alles verloren, 21 Menschen starben in den Fluten. Erwartet worden waren sie nicht. Der ugandische Flüchtlingsminister Musa Ecweru sagte dem Sender BBC, dies sei „ein neues Phänomen, das wir seit vielen Jahren nicht erlebt haben“.

Im Norden Ghanas sind drei Provinzen überschwemmt, 18 Menschen sind dabei gestorben, tausende sind obdachlos. Die Region ist der „Brotkorb“ Ghanas. Die Ernte für dieses Jahr dürfte nun allerdings verloren sein. Auch in Burkina Faso (33 Tote), Togo (20 Tote), Mali (15 Tote), Niger (12 Tote) und in Nigeria sind Regionen, die sonst knochentrocken sind, seit Tagen überschwemmt. In Nigeria sind 41 Menschen ums Leben gekommen, tausende sind obdachlos. Selbst in den Wüstenstaaten Mauretanien, Mali, Niger und Tschad haben heftige Regenfälle Seenlandschaften hinterlassen.

Das Welternährungsprogramm (WFP) befürchtet die Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera und Malaria. Das WFP bittet die Weltgemeinschaft zudem um Geld, um hunderttausende Flutopfer versorgen zu können. Die deutsche Bundesregierung hat eine halbe Million Euro für die Nothilfe zur Verfügung gestellt. Allerdings läuft die Hilfe langsam an.

Grund für die katastrophalen Regenfälle scheint das Klimaphänomen El Nino zu sein, das eine Erwärmung des Pazifiks bewirkt. Der diesjährige El Nino gilt zwar unter Experten als „schwach“. Für 17 afrikanische Staaten ist seine Wirkung aber offensichtlich überwältigend. Viel Erde wird nun weggeschwemmt. Und weil die Wälder abgeholzt worden sind, sind die Chancen, das Wasser zu speichern, minimal. Das meiste wird abfließen, ohne den Menschen einen Nutzen zu bringen.

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