Überschwemmungen in Thailand : Ein Königreich unter Wasser

Siams historische Hauptstadt Ayutthaya ist überschwemmt – und Bangkok bereitet sich auf die große Flut vor.

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Fast alltäglich wirkt die Szene aus der Innenstadt - als würden die Menschen hier ihre Einkäufe stets mit dem Boot erledigen.Alle Bilder anzeigen
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10.10.2011 20:51Fast alltäglich wirkt die Szene aus der Innenstadt - als würden die Menschen hier ihre Einkäufe stets mit dem Boot erledigen.

Schon Ende der Woche könnte die Flutwelle Bangkok erreichen, erklärt Sukhumbhand Paribatra, der Gouverneur der Hauptstadt, am Montag. Zudem drohten weitere Stürme mit schweren Regenfällen die ohnehin schwierige Lage zu verschlimmern. Der Großteil der Stadt liegt nicht mehr als zwei Meter über dem Meeresspiegel, daher könnten die Überschwemmungen hier besonders dramatisch ausfallen.

Bangkok bereitet sich auf eine massive Flutwelle vor, die aus dem Norden des Landes in Richtung Hauptstadt drängt und weite Teile der Stadt unter Wasser setzen könnte. Mitarbeiter der Stadt und Freiwillige haben am Montag Sandsackbarrieren verstärkt und damit begonnen, weitere Flutbarrieren zu errichten. Eine von ihnen soll auf einer Länge von zehn Kilometern die Überflutung mehrerer Stadtteile verhindern. Zusätzlich haben Arbeiter damit begonnen, fünf Kanäle auszuheben, um ein Teil der erwarteten Wassermassen ins Meer umzuleiten.

Seit Ende Juli kommt es vor allem im Norden und Nordosten des Landes sowie in Zentralthailand zu schweren Überflutungen. Mindestens 269 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Mehr als 2,4 Millionen Menschen sind in Thailand von der größten Naturkatastrophe der letzten 50 Jahre betroffen. In 30 von Thailands 77 Provinzen stehen heute größere Gebiete unter Wasser.

Auch die Einwohner Bangkoks bereiteten sich am Montag auf die drohenden Überflutungen vor. Einige Supermärkte berichteten von Panikkäufen und Engpässen. Premierministerin Yingluck Shinawatra versuchte daher, die Menschen zu beruhigen. Sie erklärte, dass es noch immer möglich wäre, Bangkok vor den Überschwemmungen zu retten. „Es ist noch nicht notwendig, Bangkok zu einem Katastrophengebiet zu erklären, da wir die Situation noch immer kontrollieren können“, sagte Yingluck am Montag. „Die Regierung unternimmt alles, was sie kann, um den Menschen zu helfen.“ Sie forderte die Menschen dazu auf, nicht in Panik auszubrechen, aber wachsam und vorbereitet zu sein. Yingluck räumte jedoch ein, dass die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen seien. Behördenvertreter erklärten, dass es schon jetzt zu wenig Sandsäcke gebe, um alle geplanten Flutbarrieren zu errichten. Daher rief die Regierung die Privatwirtschaft dazu auf, ihr so viele Sandsäcke wie möglich zu verkaufen.

Wie schlimm es Bangkok im Ernstfall ergehen könnte, lassen die Entwicklungen vom Wochenende erahnen, als weite Teile Ayutthayas überflutet worden sind. Alle Versuche, die historische Hauptstadt des Landes, die rund 70 Kilometer nördlich von Bangkok liegt, vor den Überflutungen zu retten, sind gescheitert. Die Wassermassen überspülten an mehreren Stellen beinahe gleichzeitig Hochwasserbarrieren und drangen mit großer Geschwindigkeit in das Stadtzentrum ein, das auf einer Insel liegt.

Als viele der Bewohner versuchten, den Stadtkern zu verlassen, kam es zu Gedränge, vereinzelt gerieten die Menschen in Panik. Rund die Hälfte der 600 Patienten des Stadtkrankenhauses musste auf Gummibooten evakuiert werden, während schwerkranke Patienten mit Hubschraubern nach Bangkok ausgeflogen wurden. Die Behörden ordneten daraufhin an, in insgesamt zehn Provinzen Massenevakuierungen vorzubereiten.

Eines der wichtigsten Industriegebiete des Landes, das neben Ayutthaya liegt, wurde ebenfalls teilweise überflutet. Hier unterhalten unter anderem Honda, Nikon und Hitachi große Fertigungsanlagen. „Alle 198 Fabriken sind geschlossen. Wir können nichts tun, da der Wasserspiegel höher ist als die Barrieren“, sagte Industrieminister Wannarat Charnnukul.

In Ayutthaya stehen auch etliche historische Gebäude zum Teile mehrere Meter tief unter Wasser. Die Unesco hat Gelder bereitgestellt, mit denen beschädigte Monumente wieder instand gesetzt werden sollen.

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