Welt : Überschwemmungen: Retter bringen 20 000 Menschen in Sicherheit

Nach den verheerenden Überschwemmungen in den Südalpen haben die italienischen Behörden die Evakuierung von annähernd 20 000 Menschen in der Po-Ebene angeordnet. Wegen steigender Wasserstände müssten in Parma 10 000 Menschen ihre Häuser verlassen, in Lodi 7500 und in Piacenza 2000, teilte der Zivilschutz am Dienstag mit. Die Zahl der Todesopfer in Italien und der Schweiz könnte auf mehr als 40 steigen: Bis Dienstagnachmittag wurden 18 Tote geborgen, mindestens 27 Menschen galten als vermisst. Frankreich entschied, den seit anderthalb Jahren gesperrten Mont-Blanc-Tunnel für einen Hilfseinsatz vorübergehend zu öffnen. Bundespräsident Rau versicherte seinem italienischen Kollegen Ciampi und den Familien der Opfer seine Anteilnahme. Der Regen ließ am Mittwoch nach.

Die Überschwemmungen in Norditalien sind nach Angaben von Experten die ausgedehntesten, die es bislang gegeben hat.

In Parma sollten die Menschen, die keine andere Bleibe hatten, provisorisch auf dem Messegelände untergebracht werden. Der Po erreichte seinen höchsten Stand seit 50 Jahren. Auf dem Schiffswege wurden 30 000 Sandsäcke in die Region transportiert, um Überschwemmungen vorzubeugen. Der Po überschwemmte Felder und richtete nach Schätzungen des Landwirtschaftsverbands Schäden in Höhe von zwei Milliarden Mark an. Die Bahnverbindung von Mailand nach Bologna war unterbrochen. In Turin blieben zwei Fiat-Fabriken wegen Zulieferproblemen geschlossen; 15 000 Arbeiter wurden nach Hause geschickt.

In Oberitalien wurden bislang 15 Tote geborgen, ebensoviele wurden noch vermisst. In dem Dorf Pollein im italienischen Aosta-Tal fanden Retter die Leichen eines Babys und eines Mannes, möglicherweise der Vater. Die Leiche der Mutter des Kindes war am Montag entdeckt und am Dienstagmorgen geborgen worden.

Keine Hilferufe mehr

Im schweizerischen Wallis starben bei den Überschwemmungen bisher drei Menschen, mindestens 12 wurden noch vermisst. Kein Lebenszeichen mehr gab es von der Frau, die in dem Dorf Gondo von einer Schlammlawine verschüttet worden war und zunächst durch Klopfen und Rufen auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Das Verkehrsministerium in Paris teilte mit, mit der Öffnung des Mont-Blanc-Tunnels sollte Hilfstransportern und Gerät der Zugang zum Aosta-Tal ermöglicht werden. Wegen der Unwetter waren zahlreiche Einwohner des Tals noch von der Außenwelt abgeschnitten. In vielen Dörfern gab es kein Trinkwasser und keine Lebensmittel mehr.

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