Überschwemmungen : UN: Katastrophe in Pakistan ist schlimmer als der Tsunami

Die Einschätzung der Flutkatastrophe in Pakistan durch die Vereinten Nationen wird immer dramatischer. 14 Millionen Menschen sind von der Flut betroffen – die Helfer sind machtlos.

2. September 2010. Die Hilfssituation in Pakistan hat sich kaum gebessert. Den UN gehen die Spenden aus.Weitere Bilder anzeigen
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02.09.2010 16:222. September 2010. Die Hilfssituation in Pakistan hat sich kaum gebessert. Den UN gehen die Spenden aus.

Islamabad - Die Flutkatastrophe in Pakistan wird immer dramatischer. „Dieses Desaster ist schlimmer als der Tsunami, das Erdbeben in Pakistan von 2005 und das Erdbeben in Haiti“, sagte ein Sprecher des UN-Büros für die Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) am Montag. Hilfsgüter könnten wegen der Zerstörung vieler Straßen nicht zu den verzweifelten Opfern gebracht werden. Die Zahl der Toten erhöhte sich auf mehr als 1600. Mehr als zwei Millionen Menschen sind obdachlos, die wirtschaftlichen Schäden bislang kaum abzuschätzen.

Ministerpräsident Yusuf Raza Gilani sagte, das Land sei in seiner Entwicklung um Jahre zurückgeworfen worden. Schon jetzt steht fest, dass die pakistanische Wirtschaft für lange Zeit ausländische Unterstützung benötigt. Hilfsorganisationen beziffern den Bedarf allein in den kommenden Monaten auf mehrere hundert Millionen Dollar. Die langfristigen Kosten für den Wiederaufbau der Infrastruktur gingen in die Milliarden. Nach Einschätzung des UN-Sondergesandten Jean-Maurice Ripert sind die Folgen der Überschwemmungen schlimmer als erwartet. Das Ausmaß der Katastrophe und ihre Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Menschen sowie auf die Wirtschaft in dem südasiatischen Land seien „viel verheerender“ als etwa bei einem Erdbeben, sagte Ripert der ARD. „Das Ausmaß der Zerstörung ist viel größer als wir erwartet hatten. In der Erinnerung findet sich kein vergleichbares Drama. Es sind die schlimmsten Überflutungen aller Zeiten in Pakistan“, sagte der UN-Sondergesandte. Nach den Worten Riperts kann sich die Lage noch verschlimmern. „Wir befinden uns erst am Anfang der Monsunsaison“, warnte er.

„Bislang sind 13,8 Millionen Menschen von den Überschwemmungen in Pakistan betroffen“, sagte OCHA-Sprecher Maurizio Giuliano in Islamabad. Dies übertreffe vorangegangene Naturkatastrophen. „Vom Erdbeben in Pakistan 2005 waren drei Millionen Menschen betroffen, vom Tsunami fünf Millionen und vom Erdbeben in Haiti drei Millionen“, sagte Giuliano zur Erläuterung. Durch den Tsunami kamen im Dezember 2004 in Südasien etwa 220 000 Menschen ums Leben. Am schwersten betroffen ist der Nordwesten des Landes, aber auch flussabwärts des Indus in den Provinzen Sindh und Punjab stehen ganze Landstriche unter Wasser. Der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Pakistan, Martin Mogwanja, rief zu einer massiven Aufstockung der Hilfe auf. „Zelte, Plastikplanen und Haushaltsgeräte fehlen am meisten, es müssen dringend Vorräte in die betroffenen Gebiete geflogen werden“, sagte Mogwanja.

Die Region um das nordwestliche Swat-Tal, wo die pakistanische Armee im vergangenen Jahr eine Großoffensive gegen die radikalislamischen Taliban unternahm, ist völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Am Montag wurde Präsident Asif Ali Zardari zurückerwartet, der eine Reise nach Europa trotz der Lage in seiner Heimat fortgesetzt hatte. AFP/rtr

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