Welt : Überschwemmungen: Vollgesogen wie ein Schwamm

Hendrik Bebber

Die Flut kam zurück: Einen Monat nach den größten Überschwemmungen seit 200 Jahren fegten am Freitag wieder orkanartige Regenstürme über die britischen Inseln. Das Katastrophenamt rief für 140 Gebiete höchste Gefahrenstufe aus. Auf einer überschwemmten Landstraße nahe Crediton verlor die Fahrerin eines Wagens die Orientierung und stürzte in die reißende Exe. Sie und ihr Beifahrer ertranken. Nahe Winchester prallten zwei Autos in dem sintflutartigen Regen zusammen. Eine 19-jährige Frau und ihr 17-jähriger Begleiter starben.

In vielen Häusern, deren Keller und Erdgeschosse gerade erst leergepumpt wurden, schwappt wieder das Wasser. Nach den mehrfachen Überschwemmungen gelten ihre Häuser für die Versicherungen als "Risiko" mit dementsprechenden Prämienerhöhungen oder die Policen werden nicht mehr erneuert.

Das Unwetter isolierte praktisch Südwales, weil sämtliche Verbindungsstraßen nach England überflutet sind und die Brücken über den Severn wegen des Sturmes geschlossen wurden. In Nordirland musste die Autobahn gesperrt werden, da sie wie viele Straßen fast einen Meter unter Wasser steht. Auch der Eisenbahnverkehr wurde wie schon vor einem Monat schwer betroffen. Leiden die Passagiere sowieso schon unter stundenlangen Verspätungen wegen der landesweiten Reparaturen des maroden Schienennetzes, so verstärkte sich nun die Misere durch Erdrutsche, umgestürzte Bäume und unterspülte Böschungen. Zwei Züge wurden in Wessex und in Wales von entwurzelten Bäumen getroffen. Die Passagiere kamen mit einem Schrecken davon. Wegen schwerer Sturmschäden mussten die Hauptstrecken von Cornwall und Devon nach London geschlossen werden, ebenso die von Oxford in den Westen.

In der britischen Hauptstadt sorgte das Wetter ebenfalls für Chaos. Während der Hauptverkehrszeit musste die U-Bahnlinie zum Flughafen Heathrow schließen. Pflegepersonal und Patienten eines Krankenhauses benutzten Verbandsmaterial um die schlagenden Türen zu sichern, weil der Sturm einige Fenster eingedrückt hatte.

In Devon rettete ein Hubschrauber der Luftwaffe 52 Menschen aus einem überfluteten Caravan Park. Einige standen bereits bis zu den Hüften im Matsch. Weite Gebiete von England und Wales gleichen wieder einer Seenlandschaft, in der sich die Bauern verzweifelt bemühen, ihr auf noch trockenen Weiden und Ställen zusammengedrängtes Vieh vor dem grauenhaften Ertrinken zu retten.

Das Wetteramt fürchtet, dass die Überschwemmungsgefahr bis zum nächsten Frühjahr bestehen bleibt. Erst dann könnte die neue Vegetation den Boden entfeuchten. "England ist ein vollgesogener Schwamm, der keinen Tropfen mehr aufnehmen kann," warnte ein Sprecher des Amtes.

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