Überwachung : Japaner verfolgen den Schulweg ihrer Kinder per SMS

Ein neues elektronischen System der Tokioter Bahngesellschaft Odakyu ermöglicht Eltern, den Schulweg ihrer Kinder in Echtzeit per SMS zu verfolgen.

Karyn Poupee
U-Bahn-Station in Tokio
Alle Metrostation sind bereits mit Detektoren ausgerüstet. -Foto: AFP

TokioMutter Yamada lächelt beruhigt: Soeben wurde ihr per SMS mitgeteilt, dass ihr Sohn Yamada-kun um 16:35 Uhr in die U-Bahn-Station neben seiner Schule eingetreten ist. Jetzt weiß sie, dass ihr Liebling gleich in eine Bahn einsteigt und auf dem Nachhauseweg ist. Yamadas-kuns Mutter gehört zu vielen zufriedenen Nutzern eines neuen elektronischen Systems der Tokioter Bahngesellschaft Odakyu, das den Weg eines Kindes dank seiner Monatskarte von Station zu Station verfolgt und die Eltern umgehend per SMS über die Route der Pennäler informiert. "Die Mütter finden das beruhigend und praktisch", sagt Toshinobu Ogawa, der zuständige Projektleiter bei der Elektronikfirma Omron.
  
Praktisch in Echtzeit werden die Eltern über die Wege ihrer Sprösslinge auf dem Laufenden gehalten: Deren Monatskarte trägt eine Nummer, die von den Durchgangstüren oder an den Drehkreuzen der Metro eingelesen wird. Daraufhin wird umgehend die SMS an das Handy der Eltern geschickt. Sollte ein ungezogenes Kind also einmal an einer anderen Station aussteigen als vorgesehen, um dort die Gegend unsicher zu machen, wissen Mama und Papa sofort Bescheid. Ähnliche Apparate wurden an den Schulen aufgestellt, die sich an der Aktion beteiligen - dadurch wird die Verfolgung des Kindes noch lückenloser. Der Service ist kostenlos, das Kind muss nur angemeldet und ein Abo der Verkehrsbetriebe haben.

Kindesentführungen erhöhten Sorge um Sicherheit

  
Projektleiter Ogawa betont, dass es nicht nur um die Überwachung des Nachwuchses geht: "Wenn die Mutter zum Beispiel Einkaufen gegangen ist und erfährt, dass ihr Kind auf dem Heimweg ist, kann sie sich beeilen, um gleichzeitig nach Hause zu kommen." Die Sorge um die Sicherheit der Kinder ist dabei relativ ungewöhnlich, denn Japan hat eine extrem niedrige Kriminalitätsrate. Früher war es vollkommen üblich, dass sechsjährige Schulkinder allein mit der U-Bahn zur Schule und zurück fuhren. Doch einige wenige Fälle von Kindesentführungen und Morden, die von den Medien ausführlich behandelt wurden, haben die Stimmung geändert.
  
Da kam Ogawas Idee gerade richtig. Ein erster Test des Systems mit 2000 Eltern ergab ein positives Ergebnis: 98 Prozent der Teilnehmer fühlten sich beruhigter. Die Kinder werden dabei solange nicht gefragt, wie sie noch in die Grundschule gehen. "Da informiert man sie nicht unbedingt", sagt Ogawa. Gymnasiasten allerdings müssten um ihr Einverständnis gebeten werden. Sorgen in Sachen Datenschutz machen die Japaner sich zumeist nicht. Die modernen Technologien, so der allgemeine Konsens, sind dazu da, dem Menschen zu dienen.