Welt : Ufo-Reisender: Goldfinger mit roten Beinen

Thomas Seibert

In Narli geschieht normalerweise nicht gerade viel, doch jetzt ist das kleine Dorf in Westanatolien plötzlich in aller Munde. Zu verdanken haben das die Dorfbewohner einem geheimnisvollen Besucher, der am vergangenen Wochenende dort gesichtet wurde und Dorfbewohner, Lokalpolitiker, Sicherheitskräfte und Experten aus dem fernen Istanbul gleichermaßen auf Trab gebracht hat: In Narli soll ein Außerirdischer aufgetaucht sein.

Der 40-jährige Bauer Fevzi Can und seine Frau Selma waren am frühen Morgen unterwegs zu ihrem Tabakfeld, als sie in etwa 300 Meter Entfernung auf einem Acker eine ungewöhnliche Gestalt sahen: rund 60 Zentimeter groß, birnenförmig, mit mandelförmigen Augen und roten Beinen, bekleidet mit einem glänzenden Overall mit einem leuchtend gelben Punkt auf der Brust. Fevzi Can lief auf die Gestalt zu, worauf diese sich fünf Meter hoch in die Luft erhob und über ihm schwebend Halt machte. Von Angst gepackt, warf der Bauer einen Stein, der prompt zurückgeworfen wurde. Daraufhin machte sich der Außerirdische davon. Die Cans fuhren mit dem Traktor in die Kreisstadt Esme, um den Behörden Bericht zu erstatten.

Erste Nachforschungen der Kreisverwaltung förderten mehr merkwürdige Augenzeugenberichte aus Narli zutage; sogar ein mutmaßlicher Fußabdruck des Besuchers aus dem All wurde in dem Tabakfeld gefunden und sichergestellt. Außerdem berichteten die Dörfler aufgeregt, am Tag vor der Sichtung des Außerirdischen sei bei Narli ein Pelikan tot vom Himmel gefallen - als der Vogel auf der Erde aufgeschlug, so die Berichte, war sein Kopf vom Körper abgetrennt: für die Menschen aus Narli ein Beweis dafür, dass der Besucher aus dem All den Vogel auf dem Gewissen hat. Als die Behörden ein Phantombild des mysteriösen Besuchers anfertigten und veröffentlichen ließen, meldete sich sogar eine Frau aus der 200 Kilometer westlich gelegenen Großstadt Izmir, die von ihrem Balkon aus dieselbe Gestalt gesehen haben will wie die Cans.

Ein Ufo-Beobachtungs-Verein aus Istanbul schickte inzwischen eine vierköpfige Abordnung nach Narli, um nach Beweisen für die Anwesenheit des Außerirdischen zu fahnden. Bodenproben aus der Umgebung des Fundorts sollen an Forschungslabors geschickt werden. Auch die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa soll nach dem Willen des Provinzgouverneurs eingeschaltet werden - doch der Istanbuler Ufo-Fahnder Haktan Akdogan, der zusammen mit seinen Kollegen nach Narli reiste, ist dagegen, "weil die Nasa vieles verheimlicht".

Zeugen vor den Lügendetektor

Akdogan will statt dessen die Augenzeugen nach Istanbul bringen lassen, um sie im dortigen Polizei-Hauptquartier einem Lügendetektor-Test zu unterwerfen. Der türkische Ufo-Experte mutmaßt, dass sich der Besucher aus dem All das Dorf Narli wegen der reichen Vorräte an Gold, Quecksilber und Uran in der Umgebung als Ziel ausgesucht hatte. Schon in der Vergangenheit seien Außerirdische besonders häufig in solchen Gegenden gesichtet worden - möglicherweise wollte der Besucher aus dem All in Narli also "auftanken".

Obwohl türkische Weltraumforscher die seltsamen Geschichten aus Narli für Nonsens halten, geben türkische Zeitungen ihren Lesern inzwischen schon Ratschläge für den Fall, dass auch sie auf Außerirdische treffen sollten. Wegen der zu erwarteten Radioaktivität der Gäste aus dem All solle man sich auf keinen Fall näher als 30 Meter an die Ufo-Reisenden heran wagen, heißt es da. Zudem wird den häufig bewaffneten Türken dringend geraten, nicht das Feuer auf die Besucher aus dem All zu eröffnen: "Wenn sie sich gegen Angriffe wehren müssen, können sie uns ganz schön weh tun."

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