Ultimate-Fighting : Männer im Käfig

Ultimate-Fighting ist zu gefährlich, sagen Kritiker. Die umstrittene erste Veranstaltung in Deutschland war manchem aber nicht brutal genug.

Hagen Haas[Köln]
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Barbarisch. Ein unterlegener Kämpfer hält sich am Käfigdraht fest. Foto: ddp

Patrick Nyberg und seine Freundin Anna Jonsson sind aus dem schwedischen Malmö nach Köln gereist, um bei einer höchst umstrittenen Premiere dabei zu sein. „Wir wollen diese Kämpfer live sehen, um das richtig zu erleben“, sagt Nyberg. Was fasziniert ihn an diesem Spektakel? „Du siehst viele unterschiedliche Kampfstile, es steckt so viel mehr dahinter als beim Boxen.“ Kritiker nimmt Nyberg nicht sonderlich ernst: „Die wissen nicht, wovon sie reden. Ultimate Fighting ist nicht gefährlicher als Fußball.“ Kritiker sehen das anders, weshalb die erste „Ultimate-Fighting“-Veranstaltung in Deutschland auf Widerstand stieß. Vor allem die Tatsache, dass der überlegene Kämpfer auf einen am Boden liegenden Gegner weiter einschlagen darf, hat die Kritiker auf den Plan gerufen. Die Käfigkämpfe sind in den USA ein Riesenerfolg und haben dort andere Erfolgssportarten längst in den Schatten gestellt.

Die Arena füllt sich. 12 854 Zuschauer sind gekommen. Aus Deutschland und aus ganz Europa. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Das Oktagon, der achteckige Maschendrahtkäfig. Dort werden zwölf Kämpfe in unterschiedlichen Gewichtsklassen ausgetragen; jeweils drei Runden à fünf Minuten. Gleich der zweite Vorkampf zeigt die Brutalität. Der Holländer Stefan Struve liegt wie ein Käfer auf dem Rücken und muss von seinem Landsmann Denis Stojnic etliche schwere Kopftreffer einstecken. Stojnic hängt über seinem Gegner und drischt mit beiden Fäusten auf dessen Kopf ein. Stojnic erinnert in dieser Phase an einen Schmied. Struve blutet aus einer langen Platzwunde. Die Kämpfer wälzen sich auf dem blutbefleckten Boden. Dann gewinnt Struve den Kampf sogar, die Zuschauer rasen vor Begeisterung.

Das Publikum wartet nur darauf, dass einer der Kämpfer zu Boden geht. Es bejubelt Kopftreffer frenetisch. Bei Regelverstößen ertönen aber sofort Buhrufe und Pfiffe, etwa als der Engländer Paul Taylor dem Deutschen Peter Sobotta in die Genitalien tritt. Manchmal lässt ein Fighter den anderen sofort wieder aufstehen, wenn dieser zu Boden gegangen ist. Dafür gibt es dann sogar Applaus.

Stephen McDowell und seine Freundin Jax Savill aus dem schottischen Glasgow sind begeistert. „Die Stimmung hier in Köln ist weniger aggressiv als in England, sondern eher enthusiastisch“, sagt Jax Savill. Was gefällt ihr an diesem Sport? „Es ist intelligenter Faustkampf auf hohem Niveau.“ Die amerikanische „Ultimate Fighting Championship“ (UFC) beschreibt ihren Kampfsport als hoch entwickelte Mischung unterschiedlicher Disziplinen wie Karate, Jiu-Jitsu, Ringen und Kickboxen. Doch was das Kölner Publikum geboten bekam, ließ weitgehend technische Finesse vermissen. Vieles erinnerte an eine Schulhofprügelei mit wenig koordinierten Schlägen und ungelenkten Tritten. Auch gab es reichlich die von den Kritikern scharf gerügten kurzen Hiebe gegen den Kopf, auch wenn der Gegner bereits wehrlos am Boden lag. Jeder dieser Hiebe wurde von den Zuschauern mit einem Raunen quittiert. Wesentlich häufiger wurde ebenso innig wie dilettantisch miteinander gerungen. Das war dem Publikum oft nicht spektakulär genug. Wenn sich die Kämpfer in dem umzäunten Oktagon aus Sicht der Zuschauer zu lustlos rauften, gab es gellende Pfiffe.

0 Uhr 22, Pressekonferenz. UFC-Präsident Dana White ist zufrieden mit dem Experiment Deutschland: „Wir hatten eine große Show, große Kämpfe und tolle Fans.“ Eine Vision hat der kahlköpfige Promoter auch: „Man muss die Leute zum Ultimate Fighting erziehen.“

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