• Um der Hinrichtung zu entgehen: US-Kinoschütze plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit

Um der Hinrichtung zu entgehen : US-Kinoschütze plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit

War James Holmes so gestört, dass er nicht wusste, was er da tat? Seine Anwälte wollen ihre Verteidigung auf dieses Argument stützen - wahrscheinlich die einzige Chance für den Kinoschützen, der Hinrichtung zu entgehen.

Im Juli 2012 erschoss James Holmes während der Premiere des Kinofilms "Batman" in Aurora in den USA 12 Menschen. Die Staatsanwaltschaft will im anstehenden Prozess die Todesstrafe erreichen.
Im Juli 2012 erschoss James Holmes während der Premiere des Kinofilms "Batman" in Aurora in den USA 12 Menschen. Die...Foto: AFP

Im Verfahren gegen den US-Kinoschützen von Aurora schlägt die Verteidigung eines neue Taktik ein: Der 25-jährige James Holmes will jetzt auf „unschuldig wegen Unzurechnungsfähigkeit“ plädieren. Das kündigten seine Anwälte in einer Eingabe an das zuständige Gericht in Centennial (US-Bundesstaat Colorado) an. Die nächste gerichtliche Anhörung steht am kommenden Montag an.

Holmes wird beschuldigt, im Juli vergangenen Jahres während einer „Batman“-Filmpremiere in Aurora 12 Menschen erschossen und 70 verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft will im anstehenden Prozess die Todesstrafe erreichen.

Bisher ist der Beginn des Hauptverfahrens für den Februar nächsten Jahres geplant. Experten rechnen aber nun mit einer Verzögerung, da mit der Eingabe vom Dienstag (Ortszeit) langwierige Prozeduren zur Bewertung von Holmes' Geisteszustand bevorstehen.

Zwölf Tote nach Kino-Amoklauf in den USA
Vor Gericht zeigt der 24-jährige mutmaßliche Todesschütze James Holmes kaum eine Regung.Weitere Bilder anzeigen
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25.07.2012 13:24Vor Gericht zeigt der 24-jährige mutmaßliche Todesschütze James Holmes kaum eine Regung.

Angeklagte werden meistens bei der offiziellen Verlesung der Vorwürfe gegen sie gefragt, ob sie sich schuldig oder nicht schuldig bekennen. Weil sich die Holmes-Anwälte seinerzeit noch auf keine Strategie festlegen wollten, hatte der damals zuständige Richter gegen ihren Willen ein Standardplädoyer auf „Nicht schuldig“ zu den Akten gegeben. Damit wollte er sicherstellen, dass die nötigen Anhörungen vor offiziellem Prozessbeginn weitergehen können. Der „Denver Post“ zufolge muss der jetzige Richter, Carlos Samour, nun grünes Licht für die Änderung des Plädoyers geben.

Die Holmes-Anwälte haben von Anfang an geltend gemacht, dass ihr Mandant schwer gestört sei. Sie verweisen unter anderem darauf, dass er sich vor dem Amoklauf in psychiatrischer Behandlung befand.

Das geplante Plädoyer bedeutet, dass Holmes praktisch zugibt, der Täter zu sein - woran allerdings ohnehin kein Zweifel bestand. Der maskierte Holmes war unmittelbar nach dem Blutbad im Kino gestellt worden, die Tatwaffen wurden in seiner Nähe gefunden. Die Anwälte könnten sich nun aber ganz auf das Argument konzentrieren, dass ihr Mandant zum Tatzeitpunkt sein Handeln nicht als „falsch“ erkannte - weil er so stark geistig gestört gewesen sei, zitiert die „Denver Post“ einen forensischen Psychiater.

Der Zeitung zufolge ist eine solche Strategie riskant. Sie werde in den USA nur in rund einem Prozent der Strafprozesse angewendet und sei nur in etwa 25 Prozent dieser Fälle erfolgreich. Allerdings verweisen Fachleute darauf, dass den Holmes-Anwälten kaum eine andere Chance bleibe, ihren Mandanten vor der Hinrichtung zu bewahren. (dpa)

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