Umfrage : Mehrheit hat kein Mitleid mit Bettina Wulff

81 Prozent der Deutschen wussten vor Bettina Wulffs Buchankündigung nichts von den Gerüchten. Sie zeigen wenig Mitleid mit der Frau des früheren Bundespräsidenten. Ihre verabredeten Talkshow-Auftritte hat Bettina Wulff abgesagt.

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Schlechte Presse: Für Bettina Wulff wurde die Medienoffensive zum unerwünschten Bumerang.Alle Bilder anzeigen
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16.09.2012 15:37Schlechte Presse: Für Bettina Wulff wurde die Medienoffensive zum unerwünschten Bumerang.

Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland hat laut einer Umfrage kein Mitleid mit Bettina Wulff. 80 Prozent der Befragten fühlen nicht mit der ehemaligen First Lady mit, ergab eine Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“. Zudem halten sie viele Menschen für unglaubwürdig. Ihre Aussage, sie sei in die Rolle der Präsidentengattin gedrängt worden, nehmen ihr fast zwei Drittel nicht ab. Zudem meint jeder Zweite, dass Bettina Wulff ihrem Mann Christian mit ihrem Buch „Jenseits des Protokolls“ schadet. 81 Prozent geben an, vor ihrer Buchankündigung nichts von den im Internet verbreiteten Rotlicht-Unterstellungen gewusst zu haben. Nur 15 Prozent sagen, die Gerüchte seien ihnen vor Bekanntwerden der juristischen Schritte und der Buchveröffentlichung geläufig gewesen.

Bettina Wulff ist möglicherweise selbst zu dem Schluss gekommen, dass sie sich mit ihrem Vorgehen schadet. Zweimal wollte sie in dieser Woche in Talkshows auftreten. Wie bereits kurz berichtet, hat sie beide Besuche abgesagt. Weder wird sie am Dienstag im ARD-Talk „Menschen bei Maischberger“ zu sehen sein, noch am Freitag bei „3 nach 9“ im NDR. Eine genauere Begründung gab es nicht, teilte der für „3 nach 9“ verantwortliche Sender Radio Bremen mit. Die Redaktion bedauerte Wulffs Entschluss: „Gerade nach den kontroversen Diskussionen um ihr Buch wäre die Bremer Sendung am kommenden Freitag eine gute Möglichkeit gewesen, über ihre Sicht der Dinge und über den Medienrummel der vergangenen Tage zu sprechen.“

In der von Giovanni di Lorenzo und Judith Rakers moderierten Talkrunde hätte Wulff neben Schauspieler Til Schweiger und Sänger Peter Maffay gesessen. Auf der Website von „Menschen bei Maischberger“ hieß es nur, dass sich Bettina Wulff entschlossen habe, „derzeit keine Medientermine“ wahrzunehmen. Hier wäre die frühere First Lady unter anderem auf „Emma“-Chefredakteurin Alice Schwarzer getroffen. Sandra Maischberger will am Dienstag nun über ein „anderes aktuelles Thema“ als Wulff diskutieren. Aber nicht nur vom Fernsehen nimmt Bettina Wulff Abstand. Auch für Lesereisen und Signierstunden in Buchhandlungen will die PR-Beraterin nicht mehr zur Verfügung stehen, berichtet „Bild am Sonntag“. Vielmehr wolle sie sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Grund dafür sei „Furcht vor weiteren öffentlichen Anfeindungen“. Auch ihr Mann Christian Wulff habe sie zu diesem Schritt gedrängt.

Bettina Wulffs Buch wurde in den vergangenen Tagen von vielen Seiten kritisiert. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte der „Welt“: „Ich verstehe nicht, wie sich jemand über zu viel Öffentlichkeit beklagen kann, der gleichzeitig sein Leben mit intimsten Details nach außen kehrt.“ Bundesinnenminister Friedrich hat sich dagegen hinter sie gestellt. „Das Beispiel von Bettina Wulff dokumentiert, wie wichtig der Schutz der Persönlichkeitsrechte im Netz ist“, sagte Friedrich dem „Spiegel“. Der in der Regierung für die Regulierung des Internets mitverantwortliche Minister kündigte an, sich für schärfere Regeln einzusetzen. Friedrich kritisierte den Anspruch, die „schrankenlose Freiheit im Internet bedingungslos“ zu verteidigen. Dies gehe „automatisch zulasten des Schutzes der Persönlichkeitsrechte“.

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(mit dpa)

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