Umgebaut : Fall Kachelmann: Rochade zur Verteidigung

Vor der entscheidenden Phase in seinem Vergewaltigungsprozess hat Jörg Kachelmann sein Verteidigerteam umgebaut. Der Wettermoderator holt einen versierten Strafverteidiger an seine Seite – der hatte vorher die Anklage seziert.

Jörg Kachelmann verlässt ein letztes Mal das Mannheimer Gerichtsgebäude. Seine Rolle bleibt undurchsichtig.Weitere Bilder anzeigen
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31.05.2011 20:26Jörg Kachelmann verlässt ein letztes Mal das Mannheimer Gerichtsgebäude. Seine Rolle bleibt undurchsichtig.

Karlsruhe - Vor der entscheidenden Phase in seinem Vergewaltigungsprozess hat Jörg Kachelmann sein Verteidigerteam umgebaut. Nach der Trennung von Hauptanwalt Reinhard Birkenstock bestätigte auch der zweite Wahlverteidiger des Moderators am Dienstag sein Ausscheiden. Kachelmann habe ihn am Montag per E-Mail informiert, sagte der Karlsruher Strafverteidiger Klaus Schroth.

Neuer Wahlverteidiger des Wettermoderators ist der Hamburger Staranwalt Johann Schwenn, der bereits zahlreiche Prominente vertreten hat – unter anderem den ehemaligen RAF-Terroristen Peter- Jürgen Boock und das VW-Vorstandsmitglied Klaus Volkert. Ob der Verteidigerwechsel auf Kachelmanns Unzufriedenheit mit dem bisherigen Prozessverlauf zurückgeht, beantwortete sein Medienanwalt Höcker nicht. Dabei war er es, der Birkenstock ursprünglich vorgeschlagen hatte. Nach der Verhaftung Kachelmanns am 20. März am Flughafen Frankfurt rief Kachelmann zunächst Höcker an und berichtete ihm von dem Haftbefehl wegen Vergewaltigung. Höcker schickte daraufhin den Kölner Wirtschaftsanwalt Reinhard Birkenstock nach Frankfurt. Der übernahm von diesem Tag an Kachelmanns Verteidigung. Sogar Birkenstocks Frau war im Prozess aktiv. Als Mediatorin führte sie in den Gerichtspausen in Mannheim Gespräche mit Kachelmann.

Nach dem Verteidigerwechsel wird vermutet, dass die Zeugenaussage des möglichen Vergewaltigungsopfers nicht so widersprüchlich und unglaubwürdig war wie von der Verteidigung dargestellt. Die Vernehmung der 37-jährigen Radiomoderatorin erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der entbundene Anwalt Schroth sagte: „Kachelmann hat mir gedankt für meine Arbeit und hat gesagt, dass er einen neuen Verteidiger hat.“ Er habe die Entscheidung nicht weiter begründet. „Natürlich war das überraschend.“ Schroth war von Birkenstock zunächst bei der Einlegung der Haftbeschwerde hinzugezogen worden; vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe hatten sie im Juli die Freilassung Kachelmanns nach mehr als 130 Tagen Untersuchungshaft erreicht.

Es wird jetzt mit Spannung erwartet, wie der Hamburger Anwalt Johann Schwenn, ein bundesweit bekannter Strafverteidiger, den Prozess führt. Schwenn gilt als Spezialist für schwierige Fälle. Er hat im September zwei Männer nach mehreren Jahren aus dem Knast geholt, die wegen Vergewaltigung verurteilt waren. Er hatte ein Wiederaufnahmeverfahren erzwungen und die Unschuld belegt. Schwenn hatte sich außerdem durch einen Artikel in dem Magazin „Cicero“ empfohlen, in dem er äußerst scharf eine Schwäche der Staatsanwaltschaft bloßlegte und indirekt schilderte, wie er nach einer Verurteilung ein Wiederaufnahmeverfahren durchsetzen könnte. Seine Ausführungen könnten auch der Staatsanwaltschaft geholfen haben, die jetzt versuchen wird, die genannte Lücke zu schließen. Insofern war Schwenn für Kachelmann gefährlich. Jetzt ist Schwenn an Kachelmanns Partei gebunden. (os/dpa/dapd)

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