Welt : Umgestellte Weiche war Ursache für Zugunglück

IMMENSTADT / LÜNEBURG (AP).Der Zusammenstoß zweier Züge im schwäbischen Immenstadt geht wahrscheinlich auf eine falsch gestellte Weiche zurück.Nach unbestätigten Angaben war die automatische Steuerung der Weiche zum Unglückszeitpunkt ausgeschaltet.Noch am Donnerstag abend soll die Münchner Außenstelle des Eisenbahnbundesamtes dies der Bonner Zentrale mündlich mitgeteilt haben.Normalerweise kann eine Weiche nicht umgeschaltet werden, solange der Zug nicht durchgefahren ist.Einem Augenzeugenbericht zufolge hing der drittletzte Waggon des Zuges schief, kurz bevor es zur Kollision kam.Unklar blieb, ob es sich um einen technischen Fehler oder um menschliches Versagen handelte.

Bei dem Zusammenstoß des Intercity mit einem InterRegio kamen eine 61 Jahre alte Frau aus Aachen und eine 81jährige Frau aus Stuttgart ums Leben.Die Zahl der Verletzten - überwiegend Urlauber aus Nordrhein-Westfalen - erhöhte sich auf 34.Alle sind außer Lebensgefahr.Die Bahn rechnete damit, daß der Zugverkehr bis Samstag vormittag wieder ungehindert auf der Hauptstrecke von Immenstadt nach Kempten läuft.

Bahn-Sprecher Martin Katz betonte, ein defekter Radreifen wie beim ICE-Unglück von Eschede scheide als Unglücksursache aus.Die Intercity-Züge hätten Vollreifen.Der Einfluß von Eis und Schnee werde noch geprüft.In den verunglückten Zügen sitzende Bahnreisende hatten berichtet, es habe vor dem Zusammenstoß Durchsagen gegeben, wonach die winterlichen Verhältnisse der Bahn Probleme bereiteten.Einheimische sagten aus, automatische Auftauvorrichtungen von Weichen im Bahnhofsbereich seien seit Tagen defekt gewesen.Weichen hätten manuell enteist werden müssen.

Unterlagen beschlagnahmt

Achteinhalb Monate nach der Katastrophe von Eschede hat die Staatsanwaltschaft Lüneburg die Unterlagen der Deutschen Bahn AG über die gummigefederten Räder der ersten ICE-Generation beschlagnahmt.Es sei fraglich, "ob die ICE-Räder dem Stand der Sicherheitstechnik entsprechend ausgelegt, berechnet, erprobt und überwacht worden seien", sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Wigger.

Beamte der Sonderkommission Eschede und drei Staatsanwälte durchsuchten am Donnerstag das Gebäude des ehemaligen Bundesbahnzentralamtes in Minden und stellten etwa 100 Aktenordner sicher.Der Unfall, bei dem im Juni vergangenen Jahres 101 Menschen starben, war durch den Bruch eines gummigefederten Radreifens ausgelöst worden.Nach Angaben von Wigger haben die bisherigen Ermittlungen zu dem Verdacht geführt, daß die Betriebsfestigkeit der Räder in abgefahrenem Zustand nicht mehr gewährleistet gewesen sei.

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