Umwelt : Forscher: Donau stark mit Mikroplastik verschmutzt

Die Plastikverschmutzung der Ozeane ist weitestgehend bekannt. Eine neue Studie aus Wien beweist nun: auch die Belastung der Donau hat alarmierende Ausmaße erreicht.

Tycho Schildbach
Verschiedene Arten von kleinem Plastikmüll, wie er in der Donau gefunden wurde.
Verschiedene Arten von kleinem Plastikmüll, wie er in der Donau gefunden wurde.Foto: dpa

Eine neue Studie von Gewässerforschern der Universität Wien belegt, dass die Belastung mit Plastikteilen nun auch in Europa alarmierende Ausmaße angenommen hat. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass in den Uferbereichen der Donau zwischen Wien und Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei, im Durchschnitt pro 1000 Kubikmeter Wasser 317 Plastikpartikel treiben, aber nur 275 Fischlarven. Insgesamt transportiere die Donau mittlerweile 4,2 Tonnen Plastikmüll pro Tag in das Schwarze Meer. Die Verschmutzung sei damit deutlich stärker als bisher angenommen. Aaron Lechner, Erstautor der Studie, geht davon aus, dass nicht nur die Donau betroffen ist: „Die Vermutung liegt natürlich sehr nahe, dass es sich dabei um ein globales Problem handelt“.

 

Plastikpartikel auch für den Menschen gefährlich

 

Die Gefahr bestehe darin, dass die Plastikpartikel über die Fische in die Nahrungskette gelangten – und somit letztlich auch beim Menschen. In den Augen von Fischen gleichen die maximal 10 Millimeter großen Teilchen Nahrung wie Insektenlarven oder Fischeiern. Die Folgen für die Fische reichen von einem vorgetäuschten Sättigungsgefühl über Verstopfung und Verletzung des Darmtraktes bis zum Tod.

Den Forschern zufolge weist vieles darauf hin, dass die in den Kunststoffen enthaltenen gefährlichen Weichmacher wie Bisphenol A auch Auswirkungen auf den Menschen haben können. Andreas Gies vom Umweltbundesamt warnt: „Wir wissen, dass Bisphenol A vor allem vor und kurz nach der Geburt die Entwicklung von Tieren beeinflussen kann. Dies betrifft die Entwicklung der Geschlechtsorgane, die Entwicklung des Verhaltens, aber auch die Entwicklung von Krebserkrankungen sehr viel später im Leben. Wir haben die Befürchtung, dass die Störungen nicht nur bei Tieren sondern auch beim Menschen vorkommen könnten.“

 Zudem ist das Mikroplastik laut der Umweltschutzorganisation BUND aufgrund seiner besonderen Oberflächenstruktur besonders gefährlich. Schadstoffe würden sich an dieser ablagern und gemeinsam mit den Giftstoffen aus dem Plastik in die Nahrungskette gelangen.  

 Laut der Studie stammt nur ein Fünftel des Mülls aus kommunalem Abfall. Bei etwa 80 Prozent handelt es sich hingegen um industrielles Rohmaterial - kleine Pellets, Kügelchen und Flocken aus buntem Kunststoff. Für eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität ist also in erster Linie die Industrie gefordert. (mit dpa/AFP)

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