• Umwelt-Umfrage: WWF: Jährlich landen 100 Millionen Klospülungen in der Ostsee

Umwelt-Umfrage : WWF: Jährlich landen 100 Millionen Klospülungen in der Ostsee

Wer auf der Ostsee reist, schippert auf einer Kloake. Denn bisher gibt es kein ausdrückliches Entsorgungsverbot von Fäkalien außerhalb der Zwölf-Seemeilenzone in der Ostsee.

Ostsee-Abwasser
Braune Brühe. Nicht einmal ein Viertel der Schiffe entsorgt seine Abwässer an Land. -Foto: ddp

StralsundPro Jahr landen nach Schätzungen der Umweltstiftung WWF rund 100 Millionen Klospülungen aus Schiffen ungeklärt in der Ostsee. Hinzu kommen 1,6 Milliarden Liter Schmutzwasser aus Duschen und Putzeimern. Das ergab eine Umfrage des Verbandes unter 50 Reedereien von Kreuzfahrtschiffen und Fähren im Ostseeraum, wie der WWF in Stralsund mitteilte. Jährlich flössen damit rund 450 Tonnen Nitrate und 150 Tonnen Phosphate aus den Schiffen in das Binnenmeer. Diese Stoffe beförderten die Blüte von oft giftigen Blaualgen. Nicht einmal ein Viertel der Schiffe entsorgt laut der Umfrage seine Abwässer an Land.

"Die braune Brühe wirkt wie Dünger. Die Pflanzen wachsen verstärkt und entziehen dem Wasser den Sauerstoff", sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp, in Stralsund. Diese Nährstoffe trügen in der flachen Ostsee dazu bei, dass das Binnenmeer immer wieder von der Algenpest heimgesucht werde. Mit rund 60.000 Schiffspassagen und 90 Millionen Passagieren gehört die Ostsee zu einem der stark befahrenen Meere der Welt.

Häfen müssen Entsorgungskapazitäten erhöhen

Lediglich neun Reedereien erklärten laut WWF in einer freiwilligen Selbstverpflichtung, im Jahr 2007 keine Fäkalien in die Ostsee abzuleiten. Darunter seien mit Hurtigruten und Peter Deilmann auch zwei Anbieter aus Deutschland. Bisher gibt es kein ausdrückliches Entsorgungsverbot von Fäkalien außerhalb der Zwölf-Seemeilenzone in der Ostsee. Eine solche verbindliche Regelung wäre aber erstrebenswert, sagte Lamp. Die Reederei Aida Cruises kündigte laut WWF an, sich vom kommenden Jahr an der Selbstverpflichtung anzuschließen.

Neben den Reedereien sind laut Lamp auch die Häfen gefragt. Sie müssten künftig die entsprechenden Kapazitäten bereithalten, damit die Schiffe die Abwässer umweltfreundlich entsorgen können. Von jeder Kleinstadt werde erwartet, dass sie ihre Abwässer entsprechend behandelt. Umso mehr könne man dies von den schwimmenden Luxusstädten erwarten. "Kein Reisender hat Interesse, auf einer Kloake zu schippern", sagte Lamp. (mit dpa)

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