Umwelt : Walfänger schärfen die Harpunen

Trotz des IWC-Moratoriums hat sich die Zahl der gejagten Großwale seit 2000/2001 fast verdoppelt. Die Walfang-Nationen Japan, Norwegen und Island kämfpen hartnäckig gegen das Verbot.

Hamburg/Anchorage - Walzunge in Sojasoße, gedünsteter Waldarm mit Meerrettich oder rohes Walherz in Scheiben - in Tokios Szene-Stadtteil Sibuya hofft das Spezialitätenrestaurant "Kujiraya" mit einer solchen Speisekarte auf Gäste. Japan verteidigt die Waljagd als Tradition und gehört mit Norwegen und Island zu den hartnäckigsten Walfangnationen. Bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) in Anchorage (US-Staat Alaska) wird sich vom nächsten Montag (28.5.) an der Streit um das seit 1986 bestehende weltweite Walfangverbot weiter zuspitzen.

Die Walfänger schärfen die Harpunen: Trotz des IWC-Moratoriums hat sich die Zahl der gejagten großen Wale seit der Fangsaison 2000/2001 von 1015 auf 1921 (2005/2006) fast verdoppelt, wie der World Wide Fund for Nature (WWF) festgehalten hat, der über alle offiziell von den IWC-Mitgliedern gejagten Großwale Buch führt.

Island und Norwegen fühlen sich wegen offiziell angemeldeter Vorbehalte nicht an das Moratorium gebunden. Japan nutzt ein Schlupfloch der Vereinbarung, die Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken erlaubt. Teil der "wissenschaftlichen" japanischen Fangflotte ist allerdings ein Fabrikschiff, das nach Darstellung der Umweltorganisation Greenpeace noch an Bord handelsfertig konfektionierte Walfleischpackungen produziert.

Walfang aus Prinzip

Alle drei Länder halten aus Prinzip am Walfang fest, nicht etwa aus wirtschaftlichen Gründen. Tatsächlich ist die Jagd auf die Riesen der Meere meist ein schlechtes Geschäft. Norwegische Walfänger ließen im vergangenen Jahr die Fangquote von 1052 Zwergwalen zu mehr als einem Drittel ungenutzt, weil die große Entfernung zu den Fanggründen im Nordpolarmeer die Kosten in die Höhe trieb. Auf Island lagert nach Informationen des Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) das Fleisch von sieben harpunierten Finnwalen unverkauft in Kühlhäusern. Und Japan hat eigens eine Vermarktungsgesellschaft gegründet, die Walfleisch unter anderem Krankenhausküchen und Schulkantinen schmackhaft machen soll.

Dennoch will Japan den Walfang weiter ausdehnen. Das Land argumentiert seit langem, dass die IWC eine Walfang- und keine Walschutzorganisation sei, die nach ihrer Gründungscharta die Aufgabe habe, eine nachhaltige Nutzung der Bestände zu regulieren.

Für Japans "wissenschaftlichen" Walfang sollen nun erstmals auch 50 Buckelwale sterben. Dafür braucht das Land keine Genehmigung der IWC, Forschungsquoten kann sich jedes Land selbst setzen. Auf anderem Feld kann Japan es aber in Alaska zum Eklat kommen lassen: Alle fünf Jahre werden die Sonderquoten für die Inuit und andere Polarvölker neu abgestimmt, für die Wale eine unverzichtbare Nahrungsquelle sind. Beobachter gehen davon aus, dass die überzeugte Walfangnation Japan und ihre Parteigänger diese so genannten Subsistenzquoten blockieren, wenn nicht auch japanischen Fischern eine ähnliche küstennahe Jagd auf Zwergwale erlaubt wird.

Fällt das Jagdverbot?

Diese Forderung Japans hat jedoch wenig Aussicht auf die erforderliche Dreiviertelmehrheit, weil die Walschutznationen darin eine Erlaubnis für kommerziellen Walfang sehen würden. Dennoch dürfte der Druck auf das Jagdverbot stärker werden, falls Japan auf der Tagung erneut eine Mehrheit der Walfangbefürworter mobilisieren kann.

Schon auf der vergangenen Jahrestagung im Karibikstaat St. Kitts und Nevis verabschiedete das Walfanglager mit knapper Mehrheit eine Deklaration, die eine "Normalisierung" der Walfangkommission fordert, die sich demnach wieder auf die Regulierung eines nachhaltigen Walfangs konzentrieren soll. Japan und andere Walfangbefürworter argumentieren, dass sich viele Bestände inzwischen ausreichend erholt haben, um die Jagd begrenzt wieder zuzulassen.

Artenschützer bestreiten das. So müssen etwa nach Ansicht der weltweit aktiven Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) einzelne regionale Populationen betrachtet werden, nicht pauschal ganze Arten. Als Beispiel nennt WDCS-Deutschland-Geschäftsführer Nicolas Entrup die Pottwale, deren weltweiter Bestand auf immerhin 360.000 Tiere geschätzt wird. In einer Population vor den Galápagos-Inseln, wo die Meeressäuger früher ebenfalls gejagt wurden, lebe jedoch nur noch ein einziges geschlechtsreifes Männchen. "Das heißt, wir haben dort einen absolut bedrohten Bestand, obwohl es weltweit noch hunderttausende Tiere gibt." (Von Till Mundzeck, dpa)

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