Umweltbelastung : Chemie im Blut

Schon Kinder sind spürbar mit Giften wie Schwermetallen und Pestiziden belastet. Es gibt kaum eine giftige oder krebserregende Chemikalie, die nicht schon in Kinderkörpern gefunden werden könnte - eine beunruhigende Entwicklung.

Dagmar Dehmer

Berlin - Seit den achtziger Jahren untersucht das Umweltbundesamt (UBA) gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut, wie sich Umwelteinflüsse auf die Gesundheit der Menschen in Deutschland auswirken. Der jüngste sogenannte Umwelt-Survey befasste sich mit Kindern.

Zwischen Mai 2003 und Mai 2006 wurde eine repräsentative Gruppe von Kindern zwischen drei und 14 Jahren umfassend untersucht. Teilergebnisse sind längst veröffentlicht, beispielsweise die Erkenntnis, dass in dieser Altersgruppe die Zahl er übergewichtigen Kinder im Vergleich zu den späten achtziger Jahren um 50 Prozent gewachsen ist. Nun hat das UBA die Ergebnisse veröffentlicht, bei denen es darum ging herauszufinden, wie hoch die chemische Belastung von Kindern ist. Die Ergebnisse sind nicht dramatisch, aber dennoch beunruhigend. Denn es gibt kaum eine giftige oder krebserregende Chemikalie, die nicht schon in Kinderkörpern gefunden werden könnte. Untersucht wurden Urin- und Blutproben.

Die Stoffgruppe mit der höchsten Relevanz dürften die Schwermetalle sein. Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen sind giftig und reichern sich im Körper an. Außerdem können diese Stoffe die Plazentaschranke überwinden, so dass schon Kinder im Mutterleib mit Schwermetallen belastet werden. Auffällig ist, dass bei dieser Stoffgruppe Jungen stärker belastet sind als Mädchen. Zwar hat die Gesamtbelastung mit Schwermetallen in den vergangenen Jahren abgenommen. Über den Konsum von Fisch und das Rauchen oder Passivrauchen werden sie aber immer noch in relevantem Umfang aufgenommen.

Tabakrauch ist eine der häufigsten Belastungsquellen für Kinder. Untersucht wurden die Nikotin- und Cotinin-Gehalte. Cotinin ist ein Abbauprodukt von Nikotin. Nikotin war bei 44 Prozent aller an der Untersuchung beteiligten Kinder nachweisbar, Cotinin sogar bei 51 Prozent der Kinder. Bei den Rauchern unter den Kindern lag der Gehalt der beiden Chemikalien entsprechend höher als bei Kindern, die nicht rauchten. Die Mittelwerte steigen mit dem Lebensalter. Migranten und Kinder mit einem niedrigen Sozialstatus haben höhere Werte als Kinder aus der Oberschicht. Je größer die Zahl der Raucher in den Haushalten ist, in denen die Kinder leben, desto höher ihre Belastung. Was keine Überraschung ist.

Weitere Stoffgruppen, die in relevantem Umfang im Urin und im Blut der Kinder gefunden wurden, sind Pestizide oder Abbauprodukte von Pestiziden. Selbst ein Abbauprodukt des schon seit Jahrzehnten verbotenen Insektizids DDT, nämlich DDE, wird noch immer regelmäßig nachgewiesen. Der Grund: Im Fett werden diese Organochlorverbindungen gespeichert. Über tierische fettreiche Nahrung werden diese Produkte weiter aufgenommen. Für Kinder, die gestillt werden, ist auch dies eine Quelle für die Aufnahme, da diese Stoffe auch im Fett von Erwachsenen gespeichert werden und durch das Stillen teilweise abgebaut werden können. Allerdings geht die Konzentration der Chemikalien in der Milch langsam zurück.

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