Umweltschutz : Dienstwagen der Bundesminister sind "Klimakiller"

Deutsche Umwelthilfe: Limousinen der Bundesregierung stoßen massenhaft Kohlendioxid aus. Die Mitglieder der Bundesregierung sind mit "Klimakillern" unterwegs.

Henrik Mortsiefer
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BerlinDie Dienstwagen der Bundesminister verbrauchen im Schnitt 12,1 Liter Sprit im Stadtverkehr, stoßen durchschnittlich 225 Gramm Kohlendioxid (CO2) aus und haben 254 PS. Durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit: 243 Kilometer pro Stunde. „Alle Mitglieder der Bundesregierung sind mit Klimakillern unterwegs“, sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), am Montag in Berlin. Zum dritten Mal hat die DUH die Dienstwagen der Regierung und der Umweltminister der Länder untersucht. Die Bilanz fällt zwar etwas besser aus als 2008. Auch waren die Ministerien auskunftsfreudiger als in der Vergangenheit. Dennoch sind die Limousinen der Politiker deutlich schmutziger als nötig, wie die Umwelthilfe findet. „Das Schaufahren gegen den Klimaschutz geht weiter“, sagte Resch.

Mit schlechtem Beispiel voran fahren laut DUH Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Justizministerin Brigitte Zypries (beide SPD), die mit einem 350-PS-starken Audi A8 beziehungsweise VW Phaeton mit 240 PS unterwegs sind (siehe Tabelle). „So viel PS haben auch 40-Tonnen-Lkws“, kommentierte Jürgen Resch die üppige Motorisierung. Die Bundeskanzlerin sowie das Verteidigungs-, Finanz-, Außen-, Innen- und Gesundheitsministerium wurden aus Sicherheitsgründen nicht in die Untersuchung einbezogen.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) schafft es mit einer frisch auf den Markt gekommenen Hybridversion der Mercedes-S-Klasse auf nur 188 Gramm Kohlendioxid auf 100 Kilometern – trotz stattlicher 299 PS. Immer noch zu viel, kritisiert die Umwelthilfe. „Die Mehrheit unserer Spitzenpolitiker ist noch weit von einer Vorbildrolle entfernt“, sagte Resch. Beispielhaft seien Berlin und Hamburg, wo die Umweltsenatorinnen Hybridfahrzeuge (Toyota Prius) einsetzten, die weniger als 140 Gramm CO2 (EU-Richtwert für 2009) ausstoßen.

Die DUH zeigt generell durchaus Verständnis dafür, dass Bundespolitiker deutsche Fabrikate bevorzugen. „Aber auch deutsche Autohersteller bieten einzelne Modelle an, die umweltfreundlicher und trotzdem ministrabel sind“, sagte Jürgen Resch. Auf Komfort und Sicherheit müsse das Spitzenpersonal also nicht verzichten. Die Umwelthilfe fordert, dass alle Landes- und Bundesministerien bis zum Jahr 2010 „abrüsten“. Zumindest neue Dienstfahrzeuge sollten nicht mehr als 140 Gramm CO2 ausstoßen. Henrik Mortsiefer

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