Umweltverschmutzung : Verschwendung hat Konjunktur

Erdgas wird weiter im großen Stil abgefackelt. Die schlimmsten Verschmutzer sind neben Iran und den arabischen Golfstaaten Russland, Nigeria und Angola.

Martin Gehlen

Kairo - Auf Satellitenbildern ähneln sie nachts gigantischen Glühbirnen. Tagsüber sind vom All aus riesige Rauchwolken zu sehen. 150 Milliarden Kubikmeter Erdgas werden jedes Jahr auf den Ölfeldern rund um den Globus abgefackelt oder entweichen unverbrannt – die schlimmsten Verschmutzer sind neben Iran und den arabischen Golfstaaten Russland, Nigeria und Angola. Wert der Energieverschwendung: 60 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wird die Atmosphäre in großem Stil mit Klimakillern belastet.

Der Rauch enthält 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid, das entspricht der Hälfte der deutschen Jahresemissionen. Noch schädlicher ist das freigesetzte Methan. Es entspricht nach Berechnungen der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA einer zusätzlichen CO2-Belastung von einer Milliarde Tonnen. Zusammen sind das fünf Prozent des jährlichen Weltausstoßes.

„Allein das Gas, was in Afrika abgefackelt wird, könnte den halben Strombedarf des schwarzen Kontinents produzieren“, erläutert Bent Svensson, Direktor der gemeinsam von Weltbank und Norwegen 2002 ins Leben gerufenen „Partnerschaft zur weltweiten Verminderung des Abfackelns von Gas“ (GGFR). Ihr gehören neben zwölf wichtigen Ölförderstaaten auch zehn der größten Energiekonzerne an.

Weit gekommen sind die Initiatoren jedoch nicht, wie die Bilanz auf dem jüngsten GGFR-Treffen in Amsterdam zeigt. Seit mehr als zehn Jahren sind die Emissionsraten unverändert hoch. 20 Länder haben diese Art der Entsorgung zuletzt sogar ausgebaut. Die Gründe sind vielfältig. Es fehlt an Technik, Infrastruktur und Investitionen. Aber es gibt auch positive Ausnahmen. Saudi-Arabien hatte in den Achtzigerjahren mit 38 Milliarden Kubikmetern einen Gasausstoß wie heute der Hauptverschmutzer Russland. Inzwischen rangiert der größte Ölexpor teur der Welt beim Gasverlust nur noch unter ferner liefen. Martin Gehlen

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