• Unblutiges Ende nach Amok-Alarm an Memminger Schule: 14-jähriger Schütze gibt auf
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Unblutiges Ende nach Amok-Alarm an Memminger Schule : 14-jähriger Schütze gibt auf

Nach den Schüssen an einer Schule im schwäbischen Memmingen hat die Polizei den 14-jährigen Tatverdächtigen festgenommen. Die Beamten konnten ihn nach langen Verhandlungen zum Aufgeben bewegen. War Liebeskummer der Auslöser?

Ein Polizeihubschrauber landet auf dem Sportgelände, auf dem der Achtklässler ausfindig gemacht wurde. Der 14-Jährige hatte in einer Schule in Memmingen einen Schuss abgegeben und war geflüchtet.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
22.05.2012 21:49Ein Polizeihubschrauber landet auf dem Sportgelände, auf dem der Achtklässler ausfindig gemacht wurde. Der 14-Jährige hatte in...

Aufatmen nach einem Amok-Alarm im schwäbischen Memmingen: Ein 14-Jähriger hat Dienstagmittag in einer Schule mit einer scharfen Waffe geschossen und sich auf der Flucht vor der Polizei auf einem Sportplatz verschanzt. Das Drama nahm nach einem stundenlangen Nervenkrieg ein unblutiges Ende. Die Polizei war am Abend mit allen verfügbaren Einsatzkräften angerückt - Zivilbeamte, Uniformierte, Sondereinsatzkommando. Überall waren Rettungswagen, Polizei- und Feuerwehrautos zu sehen.

Immer wieder schoss der 14-Jährige, der sich in einer Hütte auf dem Sportplatz verbarrikadiert hatte, wild um sich. Beamte verhandelten mit dem Jungen - mit Erfolg: Um 20.10 Uhr ergab er sich den Einsatzkräften und wurde festgenommen. Verletzt wurde niemand.

Gegen 12.30 Uhr hatten Schüler der Lindenschule an der Maserstraße den 14-Jährigen beobachtet, wie er am Eingang des Gebäudes mit zwei Schusswaffen hantierte und dann einen Schuss abgab. Sie verständigten sofort die Schulleitung, die ihrerseits die Polizei alarmierte.

Innerhalb weniger Minuten war das Stadtviertel hinter dem Memminger Bahnhof voller Einsatzfahrzeuge und abgeriegelt. Während sich die 280 Schüler mit ihren Lehrern in den Klassen verbarrikadierten, begann die Polizei eine fieberhafte Suche nach dem Schützen. Der Achtklässler hielt sich aber nicht mehr in der Schule auf, wie eine mehrmalige Durchsuchung des Gebäudes ergab.

Nahezu zwei Stunden mussten die Schüler in ihren Klassen ausharren. Ihre Eltern wurden von der Polizei zu einem nahegelegenen Supermarkt-Parkplatz bestellt, wo sie in quälender Ungewissheit auf Nachrichten über ihre Kinder warteten. Einige der Eltern wurden von Weinkrämpfen geschüttelt, als sie am Nachmittag ihre Kinder endlich in den Arm nehmen konnten.

Allerdings hatte die Polizei nach dem Alarm nicht alle Eltern verständigen können. Manche Mutter und mancher Vater erfuhr erst nach Arbeitsende von den dramatischen Vorkommnissen. Um 15.55 Uhr lief eine aufgelöste Frau auf die Absperrung vor der Schule zu und schrie: „Wo ist mein Sohn?“. Dann brach sie mit einem Kreislauf-Kollaps zusammen. Hilfe ließ nicht lange auf sich warten.
Rund um die Schule warteten neben Polizeifahrzeugen auch Sanitäter und Notärzte auf einen Einsatz.

Auf dem Parkplatz drei Ecken weiter betreuten Sanitäter, Seelsorger und Mitarbeiter eines Kriseninterventionsteams die Jugendlichen und ihre Eltern. Bis zum frühen Abend harrten die Helfer dort aus. Immer wieder kamen Angehörigen, um sich nach dem Wohlergehen der Schüler, aber auch nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen zu erkundigen.

Die Fahndung nach dem Schützen wurde währenddessen bereits auf das ganze Stadtgebiet ausgedehnt. Ein Großaufgebot der Polizei samt Spürhunden klapperte Freunde und Bekannte des Achtklässlers ab sowie dessen Lieblingsplätze.

Gegen 17.30 Uhr dann hatten die Beamten endlich Erfolg bei ihrer Suche - an einem Sportplatz im Ortsteil Steinheim, mehrere Kilometer von der Hauptschule entfernt. Der Stadtteil wurde komplett abgeriegelt, eine Bundesstraße gesperrt. Der Schüler hielt sich mit vorgehaltener Waffe an einem Holzhäuschen im Freien auf. Es fielen rund 20 Schüsse.


Einige Anwohner beobachteten neugierig das Geschehen, das Szenen aus einem packenden Kino-Thriller glich. Polizisten versteckten sich hinter Holzstapeln. Spezialkräfte eines Sondereinsatzkommandos steckten zur Beratung die Köpfe zusammen, setzten dann ihre dunklen Helme auf und rückten vor. Am Abend herrschte große Erleichterung, als der Junge aufgab.

Spekulationen zufolge war Liebeskummer der Grund für die Tat. Der 14-Jährige soll Streit mit seiner Freundin gehabt haben. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. (dapd)

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