Welt : Und dann flog die Tür raus

Immer wieder ereignen sich in Flugzeugen Zwischenfälle mit den Ausstiegen

Rainer W. During

Sao Paulo/Berlin - Bange Minuten haben am Dienstag die 79 Passagiere eines Linienflugzeugs im brasilianischen Sao Paulo erlebt. Die zweistrahlige Fokker 100 der Fluggesellschaft TAM befand sich auf einem Linienflug von Sao Paulo nach Rio de Janeiro. Kurz nach dem Start löste sich die linke Vordertür der Maschine aus ihrer Verankerung und fiel in die Tiefe. Sie stürzte auf das Gelände eines Supermarktes im Süden der Stadt. Verletzt wurde dabei niemand.

„Alle Passagiere gerieten in Panik“, sagte die 48-jährige Maria de Lourdes Moreira einer Lokalzeitung. Die Piloten erklärten einen Notfall und landeten nach 17 Minuten wieder auf dem Flughafen Congonhas. Wie sich die mehrfach gesicherte Tür öffnen konnte, wird jetzt von den Behörden untersucht.

Aufgrund der geringen Flughöhe war in diesem Fall keine Sogwirkung entstanden, so dass die Tür hinabfallen konnte. In größerer Flughöhe wäre der Vorfall nicht möglich gewesen. Weil dann in den Flugzeugkabinen ein wesentlich höherer Druck als außerhalb der Maschine herrscht, lassen sich die Türen auch mit großer Kraftanstrengung nicht öffnen. Dazu müssten sie in den meisten Fällen erst ein Stück nach innen gezogen werden. Außerdem werden sie durch Klappen an den Rändern in den Rahmen gepresst, sagt Peter Jacobus von der deutschen Flugbegleitergewerkschaft UFO.

So hatte auch der Mann keinen Erfolg, der am Montag die Passagiere eines US-Airways-Fluges von Philadelphia nach Fort Lauderdale in Angst und Schrecken versetzte. Er war erst durch die Kabine gerannt und hatte dann versucht, eine Tür des Jets zu öffnen. Er wurde von zwei an Bord befindlichen Luftmarshalls mit Hilfe von sechs anderen Fluggästen überwältigt und nach der Landung zunächst zur Beobachtung in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

Derartige Zwischenfälle sind keine Seltenheit. Im April versuchte ein Reisender auf dem Flug von Chicago nach Sacramento nicht nur, eine Tür zu öffnen, sondern drohte auch noch mit einer Bombe. Nachdem bereits Abfangjäger aufgestiegen waren, setzten die Piloten zur Notlandung in Denver an. Zufällig an Bord befindlichen Secret-Service-Beamten war es gelungen, den verwirrten Täter zu überwältigen.

Im November machte sich eine Betrunkene auf dem Flug von Hongkong nach Brisbane an einem Notausgang des Jumbo-Jets zu schaffen, weil sie rauchen wollte.

Oft ist der Versuch, bestehende Flugangst mit Alkohol zu betäuben, die Ursache für das abnorme Verhalten von Passagieren, so Peter Jacobus. Deshalb sind die Flugbegleiter gehalten, den übermäßigen Genuss von Spirituosen an Bord zu verhindern. Denn randalieren an Bord ist längst kein Kavaliersdelikt mehr. In vielen Ländern drohen empfindliche Freiheitsstrafen.

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