Unfall : Supermarkt-Einsturz endet glimpflich

Im oberbayerischen Töging ist das Dach eines Netto-Supermarktes eingestürzt. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Ein 19-jähriger Auszubildender hatte die Menschen im Gebäude gewarnt.

Töging a. Inn - Manche sprechen von einem Wunder: In letzter Sekunde konnten sich am Dienstag im oberbayerischen Töging am Inn mehrere Menschen vor dem Einsturz eines Supermarktdaches in Sicherheit bringen. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 11.00 Uhr waren nach Angaben der Polizei zwölf Menschen in dem Geschäft - sieben Kunden und fünf Angestellte. Ein Auszubildender an der Kasse hörte ein Knistern und forderte alle Anwesenden zum Verlassen des Gebäudes auf. «Raus hier», rief der 19-Jährige und verhinderte so eine Tragödie.

«Wir hatten Glück im Unglück. Die Decke ist teilweise von den Regalen aufgefangen worden», sagte Bürgermeister Horst Krebes. Einige Angestellte erlitten einen Schock und wurden in einer Turnhalle behandelt. Erst Anfang Januar waren beim Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall 15 Menschen ums Leben gekommen.

Der etwa 40 mal 20 Meter große, vor rund fünf Jahren erbaute Supermarkt hatte ein in Leichtbauweise errichtetes Dach. Die Schneehöhe von bis zu 33 Zentimetern habe möglicherweise zu dem Einsturz geführt. Die Staatsanwaltschaft Traunstein leitete Vorermittlungen zur Klärung ein. In der Region hatte es seit den Nachtstunden heftig geschneit.

Eine Augenzeugin schilderte den Einsturz: «Es hat kein lautes Krachen gegeben. Es war ein Geräusch, als ob der Schnee vom Dach rutscht.» Nach Polizeiangaben wurde besonders der Eingangsbereich des Marktes zerstört.

Bei einem ersten Notruf hieß es noch, es könnten auch Menschen unter dem Dach verschüttet sein. Dies habe sich zum Glück nicht bestätigt, sagte Kreisbrandrat Werner Huber. Rettungskräfte aus der Region waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Suchhunde nahmen in den Trümmern Spuren auf, ohne jedoch weitere Menschen zu finden. Es seien auch keine Meldungen über Vermisste eingegangen, teilte die Polizei weiter mit.

Die Kette betreibt den Angaben zufolge 1200 Supermärkte in Deutschland, davon hätten fünf ein solches Flachdach. Die übrigen vier Märkte, deren Standorte zunächst nicht genannt werden konnten, sollen nun auf ihre Sicherheit hin überprüft werden.

Nach kräftigen Schneefällen stürzten am Dienstag auch in Polen und Tschechien mehrere Hallen ein, Menschen wurden nicht verletzt. Im südpolnischen Kattowitz waren am 28. Januar beim Einsturz einer Messehalle mindestens 63 Menschen getötet worden.

Nach Angaben des zuständigen Altöttinger Landrates Erwin Schneider ist der Supermarkt ein Bauwerk «mittlerer Schwere», bei dem der Bauherr selbst die Statik überprüft. Auch Innenminister Günther Beckstein (CSU) wies angesichts hoher Schneelasten in manchen Regionen Bayerns und angekündigter weiterer Schneefälle nochmals darauf hin, dass die Bauherren beziehungsweise die Eigentümer für die Standsicherheit ihrer Gebäude verantwortlich seien. Dazu gehörten vor allem für größere Hallen auch entsprechende Kontrollen, sagte Beckstein.

Unterdessen wurde im oberbayerischen Holzkirchen ein Supermarkt wegen drohender Einsturzgefahr vorsorglich geräumt. Als Grund nannte eine Polizeisprecherin «Gefahrenabwehr». Das Flachdach des Supermarkts wurde nach heftigen Schneefällen von Hand geräumt. Im niederbayerischen Plattling sollte eine Turnhalle wegen Sicherheitsmängeln abgerissen werden. Der Dachstuhl des Gebäudes sei stark beschädigt worden, vermutlich durch die heftigen Schneefälle, sagte ein Stadtsprecher am Dienstag.

Keine zwei Wochen nach der Katastrophe von Kattowitz (Katowice) brachen am Dienstag in Polen mehrere Hallen ein. Im oberschlesischen Jaworzno wurde ein Supermarkt evakuiert, an der Decke des Gebäudes waren Risse entdeckt worden, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. In der Nähe des masurischen Ilawa stürzte das Dach einer Geflügelfarm ein. In der Halle befanden sich 6500 Truthähne. Der Besitzer der Farm gab an, das Dach von Schnee geräumt zu haben. Zuvor waren bereits Hallen im masurischen Nidzica, im oberschlesischen Zabrze und im zentralpolnischen Zgierz eingestürzt. Unter schwerer Schneelast brachen am Dienstag auch in Tschechien etliche Dächer ein. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden niemand. (tso/dpa)

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