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Unglück auf A9 in Oberfranken : "Der Bus muss sofort in Flammen gestanden haben"

Bei dem schweren Busunfall auf der A9 in Bayern starben am frühen Montagmorgen 18 Menschen. Unter den 30 Verletzten sind auch vier Brandenburger.

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An der Unfallstelle.
An der Unfallstelle.Foto: AFP PHOTO / Christof Stache

Nach dem schweren Busunfall am Montagmorgen auf der Autobahn 9 in Bayern müssen Spezialisten des Bundeskriminalamts versuchen, die sterblichen Überreste der Toten zu identifizieren. Allein schon die Suche nach den völlig verkohlten Leichen ist schwierig - es dauert Stunden, bis die 18 Toten im Alter von 66 bis 81 Jahren geborgen werden können.

Für die Retter gab es keine Chance, noch jemanden lebend zu bergen. "Die Hitzeentwicklung war so stark, dass die ersten Rettungskräfte, die ohne Wasser vor Ort waren, nicht an den Bus ran konnten", sagt Feuerwehrsprecher Andreas Hentschel der Frankenpost. Eine Zeit lang glaubten die Ermittler noch, einige Businsassen könnten in Panik geflohen sein.

Bei den Businsassen handelt es sich offenbar um eine Seniorengruppe. Unter den Fahrgästen sollen sich auch Personen aus Brandenburg befinden. Laut Aussagen des Landesinnenministeriums in Potsdam sind diese jedoch nicht unter den Todesopfern, sondern befinden sich alle in Krankenhäusern. Wie die Behörde mitteilte, seien am Montagmorgen in Senftenberg vier Brandenburger und vier Sachsen zugestiegen.

Nach Informationen der Deutschen Presse Agentur (dpa) kamen die meisten Fahrgäste aus der Oberlausitz und dem Großraum Dresden. Ein Redakteur der Frankenpost sagte sz-online.de, der Bus sei auf dem Weg zum Gardasee gewesen. Mitarbeiter der Polizeidirektion Dresden bereiteten sich darauf vor, die Angehörigen der Todesopfer zu informieren.

Schwerstes Busunglück der vergangenen Jahre

Der Bus hatte am frühen Morgen Station am Dresdner Hauptbahnhof gemacht und Reisende aufgenommen; kurz nach 7.00 Uhr war er bei Münchberg verunglückt. Bei sich stauendem Verkehr war er auf einen vorausfahrenden Sattelzug aufgefahren, der angeblich mit Bettwaren beladen war. Der Busfahrer übersah die Gefahr offensichtlich und fuhr schräg von hinten auf den Lastwagen auf. Kurz darauf stand der Bus in Flammen.

Vermutlich ist es ein alltäglicher Unfall, der am Montag das schwerste Busunglücke in Deutschland in den vergangenen Jahren auslöste. Warum der Busfahrer in dem mit einer Seniorengruppe besetzten Bus am frühen Morgen diesen fatalen Fehler machte, ist zunächst völlig unklar. Gutachter sollen der Polizei bei der Suche nach der Unfallursache helfen. Auch der technische Zustand des Busses soll geprüft werden.

Zunächst gibt es keine Erkenntnisse zu möglichen technischen Problemen. Der Bus soll nur drei Jahre alt gewesen sein und erst kürzlich ohne Probleme eine neue TÜV-Plakette bekommen haben. Der Fahrer soll äußerst erfahren und bis zu diesem verhängnisvollen Tag unfallfrei unterwegs gewesen sein - 2013 erhielt er sogar eine Auszeichnung vom sächsischen Innenministerium.

Während an der über Stunden gesperrten Autobahn im Konvoi ein Leichenwagen nach dem anderen zum Abholen der sterblichen Überreste der geborgenen Unfallopfer anrückt, rätseln die Ermittler vor allem über die schnelle Ausbreitung des Feuers.

Zwei Menschen lebensgefährlich verletzt

Von den insgesamt 48 Businsassen seien 30 in umliegende Krankenhäuser gebracht worden, zwei von ihnen seien lebensgefährlich verletzt.

Der ausgebrannte Bus auf der A7. Polizisten und Forensiker untersuchen das Unglück.
Der ausgebrannte Bus auf der A7. Polizisten und Forensiker untersuchen das Unglück.Foto: AFP

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) flogen von Berlin aus mit dem Hubschrauber aus Berlin zum Unfallort. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern und den Angehörigen", sagte Dobrindt. Er bedankte sich bei den Rettungskräften, für die es eine äußerst schwierige Situation sei. Sie seien bei ihrer Ankunft auf einen komplett brennenden Bus gestoßen, dem sie sich aufgrund der enormen Hitzebildung nur schwer hätten nähern können.

In Münchberg ist demnach auch eine Anlaufstelle mit psychologischer Betreuung für Einsatzkräfte und ankommende Angehörige eingerichtet worden.

Schwerer Busunfall auf der A9: Feuerwehr und Rettungskräfte sind vor Ort.
Schwerer Busunfall auf der A9: Feuerwehr und Rettungskräfte sind vor Ort.Foto: dpa/News5/Fricke

Dobrindt berichtete, es habe beinahe einen weiteren Unfall auf der Gegenfahrbahn gegeben, weil die Autos langsam an der Unfallstelle vorbeigefahren seien und ein Lkw dadurch scharf bremsen musste. Innenminister Herrmann zeigte sich ebenfalls sichtlich erschüttert. „Der Reisebus muss sofort komplett in Flammen gestanden haben“, sagte er. Man werde sich den genauen Unfallhergang noch mal genau ansehen müssen. Er beklagte zudem, dass die Arbeiten der Rettungskräfte durch Schaulustige behindert wurden.

In Berlin sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. "Unsere Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen der Opfer", sagte die Kanzlerin. Sie wünschte den Verletzten schnelle Genesung und dankte den Rettungskräften. Die Arbeit der Retter sei in einer solchen schrecklichen Situation von besonderer Bedeutung.

Die Polizei hat unterdessen eine zentrale Telefonnummer für besorgte Angehörige eingerichtet. Unter der Rufnummer 0800 / 7766350 können sie sich an die Gemeinsame Auskunfts- und Vermisstenstelle wenden, wie die Polizei am Montag mitteilte. Auch Zeugen könnten sich hier melden. Am späten Montagabend war die Autobahn A9 in beide Richtungen wieder frei befahrbar. Die Unfallstelle sei geräumt, twitterte die Polizei Oberfranken am späten Montagabend. Das Buswrack ist abtransportiert worden.

Rettungshubschrauber stehen auf der Autobahn A9 bei Münchberg (Bayern).
Rettungshubschrauber stehen auf der Autobahn A9 bei Münchberg (Bayern).Foto: dpa/News5/Fricke

Schwere Busunfälle in Deutschland

In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder schwere Autounfälle mit Reisebussen ereignet. 2010 waren bei einem schweren Busunglück auf dem Berliner Ring 14 Menschen ums Leben gekommen. Damals hatte der Busfahrer eine Geschwindigkeitsbegrenzung missachtet. Bereits drei Jahre früher, im Juni 2007, waren auf der A 14 Magdeburg-Dresden 13 Seniorinnen und Senioren aus dem Münsterland ums Leben gekommen. Der Bus wurde von einem Lkw gerammt und kam von der Strecke ab. Nur ein Jahr später, im November 2008, ging auf der A2 nahe Hannover ein Reisebus wegen eines technischen Defekts in Flammen auf. 20 Teilnehmer einer Kaffeefahrt kamen ums Leben. (mit dpa, AFP, epd)

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