Welt : Unglück von Kaprun: Gedenkmesse für Opfer der Brandkatastrophe

Paul Kreiner

3000 Menschen sind an diesem Freitagvormittag in den Salzburger Dom gekommen, viele stehen auf dem Platz davor, um die Opfer des Bergbahnunglücks zu betrauern. Mitglieder der österreichischen Regierung sind angereist, der Bundespräsident Thomas Klestil, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Deutschlands Kanzler Gerhard Schröder, der slowenische Ministerpräsident, der Botschafter Japans, der in Kaprun zehn Landsleute, Skitouristen, verloren hat. Aus Deutschland stammen 37 der 155 Opfer, aus Österreich 92, aus Slowenien vier. An der Kommunionbank lehnen die Fotos der Opfer. Angehörige tragen Grablichter in der Hand, zu Füßen eines Kruzifixes liegt ein Bukett aus 155 roten Rosen, und es sieht aus, als hätte der Gekreuzigte seinen Kopf nur geneigt, um auf sie herunterzuschauen.

Auf das monumentale Altarbild des auferstandenen Christus verweisend, ruft Salzburgs Erzbischof Georg Eder den Versammelten zu: "Glaubt mir, sie leben. Sie leben!" Zur selben Zeit gibt in Kaprun der Leiter der Salzburger Kriminalpolizei, Franz Lang, die bisher letzten Details zum Unglück bekannt. Oder besser: er sagt vorerst nichts mehr. Noch arbeiten Kriminaltechniker im Stollen, aber die Spuren sind gesichert: "Jetzt ist erst einmal Laborarbeit fällig." Für seine Andeutung vor drei Tagen, ausgelaufenes Öl könnte zum Unglück geführt haben, hat sich Lang offenbar eine Rüge der Untersuchungsrichterin eingehandelt. Er muss unter Hinweis auf seine eingeschränkten rechtlichen Befugnisse klarstellen, dass es sich nur um Vermutungen handele, bleibt aber dabei, ein "technischer Defekt" sei es wohl gewesen.

In Kaprun hängen schwarze Fahnen, brennen noch immer Lichter auf den Straßen, und die für den Tourismus Verantwortlichen überlegen, ob sie die Gletscherbahn nicht besser stilllegen sollen. So sagt es Bürgermeister Norbert Karlsböck. Ist es den Gästen jemals wieder zumutbar, durch den Tunnel der Katastrophe zu fahren? Die österreichische Tourismuswerbung will ein paar Wochen pausieren, um nicht als pietätlos zu gelten. "Snow and Fun", solche Parolen kämen derzeit nicht gut an, sagt Tourismus-Staatssekretärin Mares Rossmann.

Franz Lang, der Kriminalpolizist, sagt auf die Frage, wie er selbst das alles bewältige: "Es geht nur, wenn man zwischendurch versucht abzuschalten, oder auch einmal versucht, wieder zu lachen." Andere von den Helfern haben in den letzten Tagen gesagt, sie versuchten einfach nur, pausenlos zu arbeiten: "Sonst kommt einem das immer wieder hoch."

Im Salzburger Dom beschreibt der Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger das Problem der nächsten Tage: "Der Druck der Arbeit lässt nach, die Trauer tritt verstärkt in unser Bewusstsein."

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