Unicef : Millionen Kinderleben stehen auf dem Spiel

Die Entwicklungshilfe muss sich auf die Ärmsten konzentrieren, um deren Überleben zu sichern, fordert Unicef. Es gibt viel zu verbessern. Weltweit gesehen attestiert das UN-Kinderhilfswerk aber auch positive Entwicklungen.

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Überleben in Afrika. Dieser Junge im Kongo ist in einem Waisenheim untergekommen, er erhält Essen und ein wenig Unterricht.
Überleben in Afrika. Dieser Junge im Kongo ist in einem Waisenheim untergekommen, er erhält Essen und ein wenig Unterricht.Foto: dpa

Eines von sieben Kindern in der Region südlich der Sahara wird keine fünf Jahre alt. Jeden Tag sterben weltweit 24 000 Kinder vor ihrem fünften Geburtstag an vermeidbaren oder behandelbaren Krankheiten. Die Hälfte dieser Kinder stirbt in Afrika, ein Drittel in Südasien. Besonders gefährdet sind Säuglinge, und die Säuglingssterblichkeit nimmt weiter zu.

Dabei könnten Millionen von Kindern nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef überleben, wenn sich die internationale Entwicklungshilfe gezielt auf die ärmsten Familien konzentrieren würde. Denn auch der inzwischen verbesserte Zugang zu Impfschutz, sauberem Wasser oder Schulbildung ist nach Unicef-Angaben weltweit ungleich verteilt und erreicht gerade die Kinder nicht, die es am nötigsten hätten. Die Sterberate von Kindern sei bei den ärmsten zwanzig Prozent der Familien weltweit mehr als doppelt so hoch wie bei den zwanzig reichsten Prozent. „Bislang dachte man, eine Konzentration auf die am stärksten benachteiligten Kinder sei im Verhältnis zur Reichweite zu teuer“, sagt Unicef-Direktor Anthony Lake. Aber: „Wir haben das Wissen und die Mittel, um die Chancen für jedes Kind zu verbessern und wir müssen sie nutzen.“

Weltweit gesehen attestiert Unicef, das am Dienstag seinen aktuellen Bericht „Fortschritt für Kinder“ vorgestellt hat, auch positive Entwicklungen: Während 1990 im Durchschnitt 90 von 1000 Kindern unter fünf Jahren starben, sind es heute nur noch 65 von 1000. Die Fortschritte gründen vor allem in Impfaktionen. Gerade die Bekämpfung von Masern – eine der Haupttodesursachen bei Kindern – erreiche inzwischen auch schlechter gelegene Regionen. Sechzig Prozent weniger Kinder sterben laut Bericht heutzutage an Masern. Dies gelte aber noch nicht für andere Krankheiten wie Pneumokokken oder das Rotavirus.

Unicef misst die Verbesserungen an den vor zehn Jahren beschlossenen Millenniumzielen. 189 Staaten hatten im Jahr 2000 eine Vereinbarung unterzeichnet, bis 2015 unter anderem den Anteil der unter Armut und Hunger leidenden Menschen zu halbieren und die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren um zwei Drittel zu senken. Fünf Jahre vor Ende der Frist sind die insgesamt acht Ziele offenbar noch lange nicht erreicht.

So seien bisher nur die Hälfte der afrikanischen Länder auf einem guten Weg, den Hunger bis 2015 zu halbieren. Chronische Unterernährung trage aber immer noch zu mehr als einem Drittel aller Todesfälle von Kindern weltweit bei. „Auch wenn die Kinder überleben, bleiben sie oft in ihrer gesamten Entwicklung zurück“, heißt es im Unicef-Bericht. Oft seien sie zu klein für ihr Alter, krank oder hätten Probleme beim Lernen.

Vom 20. bis zum 22. September 2010 wird es erneut ein Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York geben, bei dem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf Verwirklichung von konkreten Projekten für die kommenden fünf Jahre drängen will.

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