Unicef-Spendenaffäre : "Entschuldigungen allein reichen nicht aus"

Kein Ende in Sicht: Zwar hat Unicef Fehler hinsichtlich der mangelnden Transparenz beim Umgang mit Spendengeldern eingeräumt. Doch weiterhin fordern Politiker, private Spender und Unternehmen personelle Veränderungen an der Spitze des Kinderhilfwerkes. Auch ein Großsponsor will nun abspringen.

BerlinBevor Unicef in die Kritik geraten war, konnte sich die Spendenorganisation noch auf rund 200.000 regelmäßige Geldgeber verlassen. Bislang haben nach Unicef-Angaben jedoch schon etwa 10.000 Fördermitglieder gekündigt. "Genaue Zahlen haben wir nicht, aber rund fünf Prozent der Dauerspender sind abgesprungen", sagte Unicef-Sprecherin Helga Kuhn. Nun droht auch noch das Rabatt-Unternehmen Payback, einer der größten Unicef-Sponsoren, mit Spendenentzug, wenn es keine Änderungen an der Organisationsspitze geben wird. Der Rabatt-Betrieb hat nach eigenen Angaben in den letzten acht Jahren über zwei Millionen Euro für Unicef gesammelt.

Die zurückgetretene Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis, appelliert an die Vorstandsmitglieder, "persönliche Konsequenzen" der Affäre zu prüfen. Simonis wehrt sich gegen anhaltende Kritik des Vorstands an ihrer Person. Sie beteuert, dass sie keine Schuld an der Glaubwürdigkeitskrise trägt. Die ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin macht vor allem Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs für die Vertrauenskrise verantwortlich. Dessen Arbeit "ist zwar sehr engagiert, aber vielleicht doch von Sorglosigkeit, Unbekümmertheit, Großzügigkeit und Schlamperei gekennzeichnet".

Die Spender dürfen nicht weiter verunsichert werden

Miriam Gruß, Vertreterin der FDP-Bundestagsfraktion im Unicef-Beirat, kritisiert vor allem das Krisenmanagement der Organisation. "Es reicht nicht, wenn jetzt nur weitere Untersuchungen angekündigt werden. Jetzt schon Entwarnung zu geben und auf personelle Konsequenzen gänzlich zu verzichten, ist viel zu früh", betont sie. Die Spender dürfen nicht weiter verunsichert werden. Gruß; fordert: "Es ist an der Zeit für eine außerordentliche Mitgliederversammlung."

Mit einer anderen Forderung meldet sich das bischöfliche Hilfswerk Adveniat zu Wort. Es soll eine Neuregelungen beim sogenannten Spendensiegel geben. "Es geht deutlich preiswerter", sagt der Abteilungsleiter Christian Frevel mit Blick auf 18 Prozent Verwaltungs- und Werbungskostenanteil bei dem Uno-Kinderhilfswerk. Adveniat selbst liegt bei 6,2 Prozent. (sba/ddp)

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